Schüleraustausch USA: Yann hat in Kalifornien viel erlebt

Das USA-Jahr war das spannendste und tollste Jahr in meinem Leben bisher

Yann im Yosemite-Nationalpark

Yann aus dem Saarland war mit unserem Stipendium in Kalifornien in den USA. Jetzt ist er wieder in Deutschland. Hier fasst er seine Erfahrungen zusammen

Warum ich ein USA Auslandsjahr machen wollte

Mir wurde es klar, dass ich ins Ausland will, als der Alltag in Deutschland immer derselbe war und ich etwas Neues erleben musste. Ich wollte von Deutschland und meinem Alltag weg.

Außerdem wollte ich schon immer eine Fremdsprache fließend reden können. Mich hat es auch interessiert wie die Kultur auf einem anderen Kontinent ist. Ich wollte mich selbst auf die Probe stellen und schauen wie ich alleine klar komme.

Deswegen meldete ich mich zum Schüleraustausch mit dem Schumann-Programm an, um mal für zwei Wochen zu testen, wie es ist in einem anderen Land, bei einer anderen Familie zu wohnen. Ich wollte mich selbst testen und wusste danach, dass das genau mein Weg sein musste.

Ich habe deswegen im Internet recherchiert und bin nach Empfehlungen von Freunden auf meine Organisation gestoßen, die mir auch bei der Vorbereitung geholfen hat. Ich besuchte ein Jahr vorher schon regelmäßig deren Stammtische, um mich mit Jugendlichen unterhalten zu können, die schon ein Jahr weg waren und mit Jugendlichen aus einem anderen Land, die hier in Deutschland ihr Auslandsschuljahr machten. Mit jedem Treffen wurde ich mir sicherer und ich fing an auch finanziell mehrere Möglichkeiten zu finden.

So habe ich meinen Schüleraustausch finanziert

Zuerst bewarb ich mich beim PPP (Parlamentarisches Patenschaftsprogramm des Deutschen Bundestages). Parallel reichte ich Kreativprojekte bei anderen Ausschreibungen ein. So entwickelte ich einen kleinen Film von mir und schrieb eine Zeitung mit dem Thema „Ich als Präsident der Vereinigten Staaten“. Leider half mir das aber nicht wirklich weiter. Jede Bemühung zeigte mir allerdings, dass ich es unbedingt wollte. Im Internet fand ich dann die Ausschreibung von der Deutschen Stiftung Völkerverständigung. Erst durch sie wurde mein finanzielles Konzept komplett.

Meine Eltern übernahmen den Großteil der Finanzierung. Dann gaben meine Paten und Großeltern was dazu und ich hatte selbst noch etwas zusammen gespart. Seit dem ersten Gedanken daran sparte ich alle Einnahmen kleiner Jobs, die ich, wann immer ich konnte, annahm.

Die Vorbereitung meines Auslandsjahres

Meine Organisation hat alles sehr gut geplant. Es gab dort vier Vorbereitungen zu denen ich gegangen bin und die mir auch viel brachten. Außerdem gab es immer einmal im Monat den Stammtisch, wo die ganzen Austauschschüler vom Saarland hingegangen sind und man ihnen auch Fragen stellen konnte.

Meine Reise zum Schüleraustausch nach Kalifornien

Schon meine Anreise war sehr abenteuerlich. Morgens um 4 Uhr ging es von zu Hause los nach Frankfurt. Es war ein sehr langer Flug nach LA, 12 Stunden. Von LA bin ich nochmals eine Stunde nach Fresno geflogen, wo ich von Betreuern meiner Organisation abgeholt wurde. Morgens gab es noch eine kleine Vorbereitung und dann bin ich schon von meiner Gastfamilie abgeholt worden.

Meine Eingewöhnung bei der Gastfamilie

Es dauerte nicht lange, dann hatte ich mich schon eingelebt und hatte auch direkt viele Freunde. Auch durch den Sport habe ich viele Schüler kennengelernt. Sam, mein Gastbruder war im Fußball dabei. Am Abend haben wir oft als Familie etwas zusammen gemacht und auch zusammen gegessen. Die Familie bestand aus Chris und Jody sowie den Kindern Shannon (die wohnte bereits in Morro Bay), Sam und Kathleen und anfänglich Ian, der als Adoptivsohn aufgenommen worden war. Ian zog aber schon bald nach meiner Ankunft aus.

Die Eltern waren nett, aber stellenweise auch sehr schwierig. Sehr wichtig war Ihnen die Religion. Der sonntägliche Kirchenbesuch war ein Muss und die davor stattfindende Sonntagschule gewünscht. Am Wochenende gab es oft Veranstaltungen der Kirchengemeinde, wo sich die Jugendlichen trafen.

Schüleraustausch: Meine Schule und der Fußball

Es dauerte auch nicht lange, dann konnte ich auch schon fließend Englisch und kam auch gut in der Schule klar. Die Schule war auch gewöhnungsbedürftig. Jeden Tag hatten wir die gleichen Schulstunden und jeden Tag hatte ich sofort im Anschluss Fußballtraining.

Nach drei Monaten war die Fußballsaison zu Ende. Ich hatte mich in der Fußballmannschaft gut integriert, hatte meine feste Position und meine Erfolge. Es war total klasse. In der Schule hatte ich Kunst gewählt und einen Kunst-Kontest gewonnen mit dem Thema Yosemite. Die Urkundenverleihung war in dem Yosemite National Park wohin mich Chris gefahren hatte und wir uns noch einen schönen Tag gemacht hatten.

Probleme mit meiner Gastfamilie

Obwohl wir als Familie sehr viele schöne Stunden erlebten, konnte ich mit meiner Gastmutter nicht richtig warm werden. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich als Mensch nicht verstanden und auch auf meine Meinung keinen Wert legten. Mit Chris, meinem Gastvater, verstand ich mich super, aber nur dann, wenn Jody nicht da war. Auch die Konfrontation mit der Kirche war mir zu stark.

Ich war bereit, alle 14 Tage ihr Programm mit zu machen, aber so denken wie sie, wollte ich nicht. Die Situation wurde immer schwieriger. Man Verbot mir den Internetzugang. Das Problem daran war, dass das die einzige Möglichkeit war, Kontakt mit meiner Familie und mit meinen Freunden zu halten. Die Kontrolle nervte mich sehr und ich versuchte damit auszukommen.

Sam und ich wurden sehr eingeschränkt. Viele Aktivitäten unserer Freunde durften wir nicht mitmachen. Ansonsten lief alles prima weiter.

Ich bekam mein erstes Zeugnis. Ich war mit den Noten sehr zufrieden und obwohl wir in Kalifornien lebten, schneite es. In Shorts und mit Fahrrad machten wir Blödsinn im Schnee, bis wir nass und ausgekühlt waren. Mit meinen Freunden hatte ich so viel Spaß!

Über Weihnachten fuhren wir dann zu Grandma nach LA. Die ganze Familie kam dorthin. Meinen Laptop durfte ich nicht mitnehmen und die Handys wurden von Jody täglich um 18 Uhr von allen Jugendlichen eingesammelt. So kam es, dass ich weder an Weihnachten noch an Neujahr Kontakt zu meiner Familie haben konnte. Die Situation in der Familie wurde immer schwieriger. Ich suchte Rat bei meinen Betreuern und sie meinten, ich solle mir eine neue Familie suchen.

So habe ich meine neue Gastfamilie gefunden

In meiner Fußballmannschaft war Willi und er redete mit seiner Mutter. Dann ging alles sehr schnell. Fünf Tage danach zog ich zu Kathy. Kathy ist Krankenschwester und Mutter von vier Söhnen. Ihr Mann starb vor 11 Jahren und sie hat ihre Söhne alleine aufgezogen. Bei ihr fand ich Verständnis, Vertrauen und Wärme. Wir verstanden uns sofort und mit Willi hatte ich eh schon vorher viel Spaß. Alles nahm eine positive Wendung.

Kathy besitzt nicht viel und für alles arbeitet sie hart, aber sie würde alles teilen. An erster Stelle steht ihre Familie und sie ist immer für jeden da. Diese Herzlichkeit werde ich niemals vergessen. Bei der ersten Gastfamilie war alles Materielle da. Alles war organisiert, sauber und aufgeräumt. Aber bei allem haben das Herz und das Vertrauen gefehlt.

Meine letzten Tage m Schüleraustausch

Die Tage vergingen wie im Flug und dann gab es Zeugnisse. Viele Freunde von mir graduierten und es gab einige Feiern. Ich verabschiedete mich von meinen Lehrern und mir wurde langsam bewusst, dass das der Anfang von meinem Abschied war.

Ich erlebte die letzten Tage mit meinen amerikanischen Freunde und meiner Gastfamilie. Der Abschied fiel mir sehr schwer von meiner zweiten Gastfamilie. Gerade meine Gastmutter ist mir sehr ans Herz gewachsen.

In diesem Jahr habe ich mich sehr gut eingelebt und dort auch schon meinen Alltag. Jedoch habe ich mich auch wieder auf meine Freunde und Familie in Deutschland gefreut. Bis jetzt bin ich immer noch in Kontakt mit meinen Freunden und Familie in den USA. Mittlerweile habe ich meinen normalen Rhythmus in Deutschland wieder gefunden.

Das Jahr USA-Jahr war das spannendste und tollste Jahr in meinem Leben bisher

Ich habe Freunde gefunden und viel gelernt. Nicht nur die Sprache. Auch dass es sich lohnt, sich in ein festes Gefüge einzuordnen. Dass es nicht immer so ist, wie man es gewohnt ist und dass man für Neues offen sein soll.

Aber wenn man feststellt, dass man unglücklich ist, lohnt es sich auch auszubrechen und einen neuen Weg zu gehen. Wie in meinem Fall mit der Familie. Ich war sehr unglücklich und habe mich einsam gefühlt. Trotz der Freunde. Es war schwierig, da es nicht einen Punkt gab, den man nennen konnte, warum man nicht bleiben kann. Und deswegen haben Chris und Jody es leider nicht verstanden. Ich hoffe, dass sie mir das verzeihen werden, da ich weiß, dass sie eigentlich es nur gut mit mir meinten. Den Unterschied habe ich aber erst durch Kathy richtig gespürt. Sie hat mir jede Tür geöffnet und mir vertraut und mir gezeigt, wie sehr sie mich mag. Das war toll und ich habe die letzten Wochen so richtig genossen.

Ich weiß jetzt auch, dass es für alles eine Lösung gibt und dass man auch sich selber vertrauen soll. Auf sein eigenes Gefühl. Ich will in meinem Leben noch viel erleben und freue mich darauf. Angst davor habe ich keine. Ich glaube an mich und weiß, dass ich alles schaffen kann, was ich möchte. Ich werde meine Freunde nie vergessen. Die sind so wichtig, egal wo man ist.

Mein Tipp zum Schüleraustausch an alle

Man muss nicht alles aufgeben, um etwas Neues zu beginnen. Die alten Freunde muss man pflegen und sich auch bei Ihnen melden. Trotzdem kann man neue Freundschaften aufbauen. Dabei hat der Sport viel geholfen. Ich war gerade mal seit 24 Stunden in Mariposa, das erste Mal in der Schule und hatte schon fast 20 Jungs kennengelernt mit einem gemeinsamen Interesse, dem Fußball.

Heimweh hatte ich keines. Natürlich, als es mir schlecht ging, habe ich mich einsam gefühlt und zu Hause wäre es einfacher gewesen, aber ich wusste, wenn ich das hinbekomme, dann kann mir niemals etwas passieren, dann werde ich für mich immer einen Plan B finden.

Euer Yann

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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