Schüleraustausch USA in Kalifornien - am Yosemite Nationalpark

Man denkt, es ist alles fast so wie zu Hause und dann stellt man im Schüleraustausch fest, es ist alles doch ganz anders.

Der Yosemite-Nationalpark

Yann aus dem Saarland war mit unserem Stipendium in Kalifornien in den USA. Hier berichtet er über seine Erfahrungen nach drei Monaten

Ein Jahr Schüleraustausch USA – das beste Jahr meines Lebens?

Ich war in der 8. Klasse im Gymnasium und nichts lief gerade so, wie es sollte. Auf einmal war mir klar, ich wollte weg. Was Neues erleben und kennen lernen.

In der Schule fand ein Vortrag über ein Auslandsjahr statt. Da wusste ich es, ich wollte für ein Jahr ins Ausland. Nach Amerika oder Brasilien oder Argentinien, na egal, Hauptsache über den Teich.

Meine Eltern waren zwar nicht sofort begeistert, aber bis zur 10. Klasse hatte ich ja noch etwas Zeit, sie zu überzeugen. Ich hatte auf einmal ein Ziel. Es fiel mir nun wieder leichter, in der Schule mitzuarbeiten und meine Leistungen zu verbessern.

Schüleraustausch USA: Die Finanzierung

Mit meiner Mutter recherchierte ich im Internet über die einzelnen Veranstalter und Möglichkeiten. Ich fand Angebote für Stipendien. Einige verlangten herausragende Leistungen in der Schule. Ich war zwar noch nie ein schlechter Schüler, aber herausragend ist etwas anderes. Andere stellten kreative Aufgaben. Das wollte ich versuchen. In den Sommerferien drehte ich deswegen einen Film mit meinen Freunden und schrieb für einen anderen Wettbewerb eine Geschichte mit dem Thema, warum ich Präsident der Vereinigten Staaten werden sollte. Beide Wettbewerbe machten viel Spaß. Bei dem ersten belegte ich den 6. Platz (von 78 Teilnehmern und die ersten 3 bekamen ein Stipendium) und bei dem anderen Wettbewerb belegte ich sogar den 2. Platz (da bekam nur der 1. das Stipendium).

Von der ersten Minute an meines Traumes legten wir ein Sparkonto an, damit wir, wenn auch mit viel Mühe, diese Kosten selbständig aufbringen könnten. Ich machte einen Aushang im Kindergarten und arbeitete nun regelmäßiger als Babysitter, oder besser gesagt, als Belustiger für die Kinder, deren Eltern mir nun mit meinem Lohn helfen sollten, meinem Traum näher zu kommen.

Mein Stipendium für den Schüleraustausch USA

Meine Mutter fand dann noch im Netz die Ausschreibung für das Stipendium der Deutschen Stiftung Völkerverständigung für soziales Engagement. Wir hatten schon immer viel gemacht und ich war immer dabei. Vom Kinderbibeltag. bis hin zu der Betreuung des Vereins Saar 21. Und diesmal klappte es, wir bekamen die Zusage und ich kam meinem Traum ein großes Stück weiter.

Austausch-Organisation und Vorbereitungen für den Schüleraustausch USA

Wir fanden auch eine Organisation, die uns von der Philosophie und von seinem Engagement sehr gut gefiel. Toll war es, dass wir nun 1x im Monat zu den Stammtischen gehen konnten, um uns zu informieren. Ich erfuhr von meiner Organisation sehr viel über alles, was mich erwarten würde. Ich wurde angemeldet und die Vorbereitungen begannen.

Zuerst wurde ich getestet, ob ich überhaupt geeignet bin, so ein Jahr durchziehen zu können. Dann nahm ich an verschiedenen Workshops teil, die uns alle für dieses Jahr vorbereiten sollten. Alles war noch sehr weit weg, aber dann kam der Sommer und die Zeit raste.

Mein Abschiedsfest mit all meinen Freunden war toll. Aber ich hatte immer noch keinen Abflugtermin und keine Familie. Es war alles so spannend. Was, wenn mich keiner wollte? Und dann kam die ersehnte Mail: Ich durfte nach Kalifornien reisen, in 12 Tagen. In 12 Tagen, oh Schreck!!! Hatte ich mich von allen richtig verabschiedet.

Täglich traf ich mich nochmals mit all meinen Freunden. Wir machten Fotos, gingen ins Schwimmbad, so als wäre ich für immer weg. Und dann kam der Tag vor der Abreise. Mein Gott, ist das schwierig zu packen. 20 Kg und nur ein Koffer. Meine Mutter und ich packten mindestens alles 4x wieder aus und neu. Geschlafen habe ich dann in der letzten Nacht kaum noch. Und um 4 Uhr morgens ging es los zum Flughafen. Der längste Freitag meines Lebens begann.

Mein Flug in den Schüleraustausch in die USA

Mein Vater, meine Mutter und meine Oma kamen mit und es war sehr seltsam. Ich wollte weg und gleichzeitig wollte ich bei meiner Familie bleiben. Und dann ging alles blitzschnell. Wir rasten zum Schalter, gaben unser Gepäck ab und verabschiedeten uns ganz kurz und schmerzlos. Mit mir reisten noch zwei weitere Schüler meiner Austausch-Organisation  nach Los Angeles.

In so einem großen Flugzeug war ich noch nie. Ich konnte nicht mehr denken. Wir saßen den Flug zusammen und lenkten uns etwas ab. Tauschten die Adressen aus und erzählten uns, was wir bereits über unsere Gastfamilie wussten. Wir dachten alle, dass wir noch für einen Tag mindestens zusammen bleiben werden, aber als wir nach über 12 Stunden Flug in LA landeten, erwartete mich bereits ein Betreuer meiner Organisation.

Alles ging ein bisschen zu schnell für mich. Wir rannten wieder quer durch den Flughafen zum nächsten Gate und ehe ich was fragen konnte, saß ich wieder in einem Flugzeug. Diesmal in dem kleinsten, in dem ich bisher mit geflogen bin. Nach zwei Stunden Verspätung meines Fluges kam ich dann endlich in Fresno an. Alleine, todmüde und sehr gespannt stand ich nun da. Über 9.000 km weg von zu Hause. Meine Organisation hatte aber alles gut vorbereitet. Ich wurde wieder am Flughafen erwartet. Die nächsten Betreuer erwarteten mich und ich hatte bei ihnen mein Orientation Camp.

Meine Gastfamilie für den Schüleraustausch

Am Nächsten Tag wurde ich von meiner Gastfamilie so gegen 3 Uhr abgeholt. Meine Gasteltern, Samuel (16) mein Gastbruder und Kathleen (14) meine Gastschwester kamen. Shannon (20) und Ian (19) lernte ich erst später kennen. Danach sind wir in Fresno shoppen gegangen, in die riesigen Shopping Malls. Als wir alle Einkäufe erledigt hatten, sind wir nach Hause nach Mariposa gefahren.

Die ersten Tage in der Familie waren ein bisschen komisch: Ich hatte noch einen Jetlag, alles war neu, neue Leute, neue Umgebung, fremde Sprache und alles auf einmal.

Aber nach den ersten Tagen ging alles schon viel besser, die Schule fing an, ich lernte sehr viele Leute kennen, ich hatte mein ersten Fußballtrainings, meine ersten Fußballspiele und meine ersten kleinen Verletzungen :-) (blaues Auge, geprellte Zeh und leichte Gehirnerschütterung, alles vom Fußball).

Ich lebe ca.18 km weg von Mariposa, mitten im Wald, am Rande des Yosemite Nationalparks. In unserem Garten gibt es riesengroße Spinnen, wilde Truthähne, tausende von Eichhörnchen und ab und zu verläuft sich ein Grizzly zu uns und nachts höre ich die Coyoten. Ich habe schon richtig gute Freunde gefunden und habe meine ersten Arbeiten in der Schule hinter mir.

Mein Tagesablauf im Schüleraustausch: Schule, Sport und Freunde

Ich habe mich auch jetzt in den neuen Lebensrhythmus hier eingelebt, der folgend aussieht: während der Woche stehe ich immer um 6.20 Uhr morgens auf. Um 7.30 machen wir (Sam, Kathleen, Chris und ich) uns auf den weg zur Schule bzw. Arbeit. Die Schule endet um 14.55 und danach habe ich bis um 17.30 Uhr Fußballtraining.

Um ca.18.00 Uhr sind Sam und ich, manchmal auch Chris zu Hause, es sei denn wir haben ein Spiel gegen eine andere Schule. Dann kann es auch mal 22 Uhr werden. Im Fußballteam bin voll und ganz integriert. Ich trage die Nummer 23. Fast meine ganzen Freunde kommen aus meiner Fußballmannschaft und am Wochenende treffen wir uns dann meist auch noch. Sie lieben die deutschen Süßigkeiten, dich ich mir von meiner Familie schicken lasse.

Außerdem besuche ich die Kunst AG der Schule. Bei einem Wettbewerb habe ich einen Preis gewonnen und wurde zu einer Rundreise durch den Yosemite-Park eingeladen. Die Landschaft ist sehr beeindruckend. Weiße Granitfelsen, hohe Baume, Mammutbäume, ausgetrocknete Flüsse und Schluchten, in die im Frühjahr Wasserfälle hinabstürzen. Mein Gastvater hat mich begleitet. Das war ein sehr guter Tag.

Meine Familie ist prima, wenn ich auch ab und zu Probleme mit ihrer religiösen Lebensstruktur habe. Ich bin zwar auch evangelisch, aber in Deutschland ist alles viel locker und freier. Hier wird erwartet, dass man jeden Sonntag die Kirche besucht und an der Sonntagsschule teilnimmt. Ich habe es nun erreicht, dass Sam und ich nur jeden zweiten. Sonntag mitfahren müssen. Ich glaube Sam freut sich darüber sehr, dass er nun Verstärkung hat.

Seit November ist Fußballpause und ich habe die Hoffnung, dass ich bald hier Skifahren kann. Ca. 50 km von hier ist die Skistation. Das Skigebiet ist zwar nicht so groß, wie ich das aus Österreich kenne, aber ich freue mich sehr darauf.

Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Fährt man 20 Meilen, steht man im dichten Wald bei Mammutbäumen oder in der Wüste. Und nur 300 km weiter ist der Pazifik.

Letzte Woche haben wir Shannon kurz besucht. Sie wohnt zwei Autostunden entfernt von uns an der Küste. Da war es noch sehr warm und wir konnten am Meer im T-Shirt sitzen. Jetzt hat es gestern geschneit. Die Temperaturen sind zwar noch sehr mild, aber für mich kam das alles sehr plötzlich. Meine dicke Winterjacke ist noch in dem Paket, auf das ich sehnsüchtig warte. Wegen der Weihnachtszeit dauert das wohl etwas länger... Letzten Sonntag war Thanksgiving und Chris hatte noch einen Truthahn geschossen. Einfach so.

Man denkt, es ist alles fast so wie zu Hause und dann stellt man fest, es ist alles doch ganz anders.

Ich freue mich auf die weitere Zeit im Schüleraustausch USA

Ich freue mich auf die nächsten Wochen und Monate und bin gespannt, was mich noch alles erwarten wird. Ich bin sehr froh, hier gelandet zu sein. Ich freue mich auf Weihnachten und bin gespannt, wie meine amerikanische Familie das hier feiert. Ich werde an meine Familie in Deutschland denken und werde mich dann auf das nächste Jahr auch wieder freuen, alle wieder zu sehen. Vielleicht kann ich Sam noch überreden mich nach Deutschland zu begleiten. Das wäre großartig. Ein Gastbruder, der fast die gleichen Hobbies hat, wie ich und super zu mir passt.

Einfach klasse!

Euer Yann

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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