Schüleraustausch Schweden: Vom Abschied in Deutschland bis zu den ersten Schulwochen in Schweden

Nach einem Abschied von Deutschland mit Hindernissen hat Clemens im Schüleraustausch in Schweden schon viel erlebt

Schüleraustausch Schweden: Göteborg

Clemens mit Stipendien-Urkunde

Clemens aus Niedersachsen verbringt sein Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium im Süden von Schweden. Er berichtet hier über seine Erfahrungen.

Abreise in den Schüleraustausch von zuhause mit Hindernissen und Tränen

Der Abschied von der Familie, bzw. meiner Mutter, ist ganz doof gelaufen. Meinen Stiefvater habe ich morgens noch ganz fest umarmt. Mein Bruder und meine Mutter haben mich zum Bahnhof gebracht und meine Mutter wollte mich auf der Zugfahrt nach Bremen begleiten.

Wir sind auch pünktlich losgekommen, aber auf halbem Weg ist mir eingefallen, dass ich die wichtigsten Sachen vergessen hatte: meine Brusttasche mit Zugticket, Geld und Versicherungskarte. Also wieder zurück. Dadurch haben wir natürlich viel Zeit verloren. Mein Bruder hat mich noch schnell gedrückt und mir den schweren Koffer in den Zug geschmissen, aber dann ging die Zugtür zu und meine Mutter stand davor und der Zug fuhr ab!

Kein Tschüss und keine Umarmung! Das war ganz furchtbar! Wir haben beide geweint und dann ganz viele Nachrichten geschrieben, bis ich in Hamburg angekommen war und die anderen Austauschschüler getroffen habe. Da ging es mir dann besser.

Das Welcome Camp für das Auslandsjahr in Kopenhagen

Im Gesamtpreis inbegriffen war auch ein Welcome Camp über zwei Tage in Kopenhagen. Dorthin bin ich also als erstes gefahren.

Das In Kopenhagen trafen sich dann alle Austauschschüler, die für ein skandinavisches Land angemeldet waren und eine Familie gefunden hatten. Das war total interessant, Jugendliche aus allen Teilen der Welt kennen zu lernen. Und die auch aus ganz unterschiedlichen Gründen nach Skandinavien wollten. Einige allerdings auch, weil die Familie dort ein Ferienhaus besitzt. In Kopenhagen haben wir Sightseeing gemacht und noch einen Vorbereitungs-Workshop zu den Themen Heimweh, Ankommen in der Familie, Respekt gegenüber den Gebräuchen dort, Einfügen in den Alltag usw.

Die ersten Tage in Schweden waren dann aber doch ganz anders als erwartet

Wir mussten schon um 4.30 Uhr zum Flughafen losfahren und waren total übermüdet. Der Flieger ist dann gegen 9 Uhr in Göteborg gelandet und meine Gastmutter hat mich abgeholt und wir sind in mein neues Zuhause gefahren.

Am Nachmittag habe ich eine totale Krise bekommen: ich allein in der Fremde und ein ganzes Jahr ohne meine Familie! Irgendwie fühlte ich mich der Situation überhaupt nicht gewachsen und war völlig verzweifelt und habe Magen-Krämpfe bekommen. Meine Gastmutter hat mich dann aber mit Tee versorgt und meine Mutter hat mich am Telefon seelisch wieder aufgebaut. Abends habe ich mit meiner Gastmutter die Leichtathletik-EM im Fernsehen geschaut, weil mein Gastbruder nicht da war.

Mein erster Tag in der Gastfamilie in Schweden: ich war ganz alleine

Am nächsten Morgen, nachdem ich ausgeschlafen hatte, war niemand da. Kein Zettel mit einer Nachricht, und ich stundenlang ganz allein im Haus! Das fand ich überhaupt nicht gut. Irgendwie hatten sich die Gastmutter und ihr Sohn nicht abgesprochen und beide dachten wohl, dass sich jeweils der andere um mich kümmern würde. Dabei war jeder mit seinen eigenen Aktivitäten beschäftigt. Am Nachmittag hat sich dann aber alles aufgelöst und ich habe beide getroffen und wir haben uns unterhalten.

In der ersten Woche im Schüleraustausch konnte ich die Gegend in Schweden erkunden

Meine Gastmutter und mein Gastbruder mussten in der ersten Woche jeden Tag arbeiten und sind erst nachmittags nach Hause gekommen. Meine Schule begann erst eine Woche später. Also habe ich was unternommen.

Ich habe mich so ziemlich jeden Tag mit anderen Austauschschülern, die rund um Göteborg platziert sind, getroffen. Wir haben uns die Stadt angeschaut, waren shoppen und gingen zusammen in einen Freizeitpark. Das hat meine Stimmung gebessert. Von Tag zu Tag. Die anderen Austauschschüler zu treffen und sich mit ihnen zu unterhalten, ist einfach großartig, da sie alle cool sind. Ich treffe sie immer noch ab und zu in der Stadt, einfach um miteinander zu reden und sich über die Erlebnisse in der Gastfamilie auszutauschen.

Hinzu kommt, dass eine von ihnen auf meine Schule geht, weshalb wir uns fast täglich sehen und auch einige gemeinsame Interessen haben, über die wir uns unterhalten können. Vor allem reden wir über Formel 1, da wir beide verrückt danach sind. Das war auch eine Sorge vor dem Auslandsaufenthalt, dass ich niemanden hätte, mit dem ich über Formel 1 reden kann, da ich das in Deutschland immer mit meinem Kumpel und Klassenkamerad gemacht habe.

Erste Unternehmungen mit meiner Gastfamilie in Schweden

Auch konnte ich mich in der ersten Woche gleich nützlich machen und meine Gastmutter ins Café der Floorball Halle in einem Nachbarort begleiten und beim Kaffee und Kuchen-Verkauf helfen. In der ersten Woche hat mich dann auch gleich meine Kontaktperson von der Austausch-Organisation,  die für mich zuständig ist und Kontakt zu Gastfamilie und Schüler hält, besucht. Die war richtig begeistert, dass ich schon so viel allein unternehme.

Nachdem die Schule in Schweden begonnen hatte, ging es mir besser

Ich habe mich gleich mit allen Mitschülern gut verstanden und schnell Freundschafen geschlossen. Das ist wirklich eine kunterbunte Klasse. Schüler aus Schweden, Schottland, USA, Saudi-Arabien, Syrien, Ghana, ein Austauschschüler aus Holland – Wahnsinn!

Ich bin per Zufall auf dem internationalen Zweig des Gymnasiums gelandet und habe allen Unterricht auf Englisch, außer Schwedisch und Spanisch natürlich. Das finde ich richtig gut, da wird mein Englisch auch viel besser. Meine Klasse nennt sich Pre-IB und würde nach 3 Jahren mit einem International Baccalaureate (Abitur) abschließen. Es soll wohl schwierig sein, Schulen zu finden, die Austauschschüler aufnehmen, da sie für die keine Zuschüsse vom schwedischen Staat bekommen.

Der Unterricht und die Schule in Schweden unterscheiden sich sehr stark von Deutschland

Beim Schulsystem angefangen. In Schweden geht die Grundschule neun Jahre lang und danach geht man auf das Gymnasium. Auf dem Gymnasium kann man verschiedene Programme wählen, z. B. mit dem Schwerpunkt Technik, Sport, Naturwissenschaften, Wirtschaft oder Gesellschaftskunde.

Eines meiner Schulfächer im Schüleraustausch in Schweden ist Deutsch

Ich bin in einem Sprachprogramm und habe deswegen drei Fremdsprachen, auch Deutsch, da ich es interessant finde, zu sehen wie Nicht-Deutsch-Sprachige Deutsch lernen. Außerdem helfe ich meinen Mitschülern, um mich ein wenig nützlich zu machen und weil es mir Spaß macht. In den Pausen versuchen wir, so viel wie möglich Schwedisch zu sprechen.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland ist, dass mein Unterricht oft erst um 10:00 Uhr anfängt. Dadurch ist mein ganzer Morgen entspannter, da ich nicht schon um 6 Uhr aufstehen muss, sondern erst um 8 Uhr. Meine Schule erreiche ich mit dem Bus, ca. 35 Minuten Busfahrt. Bis zur Bushaltestelle muss ich aber mit dem Fahrrad fahren, da sie 2 km entfernt liegt.

Schule, Fußball und Gastfamilie in Schweden beschäftigen mich sehr gut

Ungefähr drei Wochen nach Schulbeginn habe ich auch angefangen, in einem naheliegendem Ort Fußball zu spielen. Dadurch habe ich noch mehr Jungs in meinem Alter kennengelernt. Dorthin fahre ich auch mit dem Fahrrad. Da die Saison zu diesem Zeitpunkt schon fast vorüber war, konnte ich keine Punktspiele mehr mitspielen. Doch der Trainer sagte, dass ich nächste Saison sehr gerne mitspielen darf, da er meinen Spielstil passend zur Mannschaft findet.

Leider habe ich jetzt nur noch wenig Zeit, da sich mein Stundenplan geändert hat und ich immer später nach Hause komme, was es schwierig macht, für die Schule zu lernen, Fußball zu spielen, und Aktivitäten mit der Familie zu unternehmen. Irgendwie alles ein bisschen viel.

Die Aktivitäten meiner Austauschorganisation für das Auslandsjahr in Schweden

Sie haben einen richtigen Aktivitätskalender mit vielen Ausflügen. Letztens hatten alle Austauschschüler in Schweden die Chance, zu einer Reunion-Party in Göteborg zu gehen. Eine Party mit 500 Leuten, alles Schüler die an Sprachreisen von der Organisation teilgenommen haben oder hatten. Sie sind teilweise mit dem Bus aus anderen Regionen Schwedens angereist.

Diese Party hat total Spaß gemacht, da wir andere Schüler kennengelernt haben, die genau die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Zwar nicht alle für ein Jahr, sondern nur Monate oder mehrere Wochen, aber dennoch. Außerdem war es eine Gelegenheit, alle Austauschschüler wieder zutreffen, da einige sich schon aus dem Welcome Camp in Kopenhagen kannten. Für die, die nicht am Camp teilgenommen haben, war es eine Möglichkeit die anderen in Schweden platzierten Austauschschüler kennenzulernen.

Das Angebot der Austausch-Organisation ist schon toll, aber meine Mutter meint, es sei recht teuer. Noch habe ich nicht entschieden, an was ich alles teilnehmen werde. Eine 4-Tage-Reise nach London mit vielen Besichtigungen stand auch auf dem Programm. Das wäre schon cool, aber dafür bin ich ja schließlich nicht in Schweden!

Bis bald
Euer Clemens

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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