Schüleraustausch Kanada: Der Indian Summer, Sport und die erste Auszeichnung in der High School

Camie genießt den Schüleraustausch in Kanada und vermisst auch einiges aus Deutschland

Camien mit Stipendien-Urkunde

Camie aus Niedersachsen verbringt ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in New Brunswick in Kanada. Sie berichtet hier über ihre Erfahrungen

Das warme Klima in Kanada hat Camie überrascht

Als ich hier ankam war ich sehr überrascht, dass es noch Sommer mit 30 Grad Celsius war. Ich hatte wenige Sommersachen eingepackt. Inzwischen innerhalb weniger Tage hat sich das aber geändert, jetzt hatten wir maximal 5 Grad C. Mitte Oktober gab es schon den ersten Schnee. Weil viele von uns ihre Winterjacke nicht eingepackt haben, sind wir Austauschschüler alle zusammen in die nächste größere Stadt St. John gefahren. Wir haben uns mit Winterkleidung eingedeckt.

Wir sind auf meiner Schule 17 Austauschschüler*innen. Die Partnerorganisation meiner deutschen Austausch-Organisation ist AEI, die uns hier vor Ort betreut. Es gibt für uns oft Veranstaltungen wie Whale-watching, Ausflüge ins Theater oder Kürbisschnitzen zu Halloween.

Whale-watching im Auslandsjahr in Kanada

An einem anderen Tag führen wir hinaus aufs Meer und haben Wale beobachtet. Dafür braucht man Geduld, es kann manchmal lange dauern bis man einen Wal sieht. Wenn man endlich eine Fontäne von einem Wal sieht und gleich darauf das Ende der Schwanzflosse in die Luft ragt, fühlt man sich als Mensch ganz schön klein.

Eines der schönsten Dinge, die man hier machen kann, ist einfach mal ein Road trip. Zuerst hält man beim Drive-thru vom Tim Hortons und bestellt eine Runde Kaffee, weiter geht es mit eingeschalteter Sitzheizung, guter Musik und seinen neuen Freunden den Highway entlang.

Der Indian Summer in Kanada ist ein besonderes Naturerlebnis

Die Blätter sind schon alle herbstlich rot gefärbt, ein paar auch schon orange-gelb. Das nennen die Kanadier Indian Summer, wenn der Herbst die Wälder sich rot färben lässt. In Deutschland haben wir das nicht so ausgeprägt, weil es dafür in der Nacht gefrieren muss und tagsüber dann wieder wärmer werden muss. In Deutschland haben wir nicht so einen hohen Temperaturunterschied, somit haben wir auch nicht diese schönen Farben. Wenn man Glück hat, sieht man auch ein mal einen Elch (Mousse) oder sogar einen Bären.

Sport ist im Schüleraustausch in Kanada wichtig

Hier in Kanada werden Sportler sehr gelobt. Sport bringt dich in Kontakt mit anderen und du kannst schnell Freunde finden. Anfang des Schuljahres habe ich für das Softball Team der High School gespielt. Softball ist so ähnlich wie Baseball. Gerade für den Anfang hilft es einem in Kontakt zu treten. Du brauchst nicht lange komplizierte Konversationen zu führen, sondern man macht einfach ein paar Komplimente und kann Small Talk machen.

Meine erste Auszeichnung an meiner High School in Kanada

Da ich in Deutschland Leichtathletik mache, bin ich für kanadische Verhältnisse recht schnell im Laufen. Beim Softball konnte ich im Spiel schnell einem Ball hinterherlaufen und die Mannschaft voranbringen. Für diesen Erfolg gab mir der Coach nach einem der Spiele den begehrten Golden Glove. Das ist ein goldener Softball-Handschuh, den immer ein anderer Spieler/eine andere Spielerin aus der Mannschaft bekommt, wenn diese/r etwas sehr gut gemacht hat. Ich war überrascht, als Austauschschülerin nach so kurzer Zeit eine besondere Anerkennung zu erhalten.

Ice-Hockey zählt wohl zu den bekanntesten und typisch kanadischen Sportarten. Die Spieler der Schulmannschaft sind aber sehr sehr gut, also gucke ich nur zu. Ice-Hockey ist ein sehr schnelles Spiel und es ist unglaublich wie fix die Spieler die Richtung wechseln und sich auf dem Eis bewegen, als wäre das gar kein Problem.

Schüleraustausch Kanada: Natürlich vermisse ich einige Dinge aus Deutschland

Meine Familie vermisse ich natürlich, aber was ich nie gedacht hätte: Ich vermisse tatsächlich die Regeln meiner Mutter. Klar, Regeln sind für Teenager nie besonders toll, aber über die Regeln meiner Mutter kann ich wenigstens diskutieren und nach dem Grund einer Regel fragen.

In Deutschland werde ich ernst genommen und bin schon eine halbe Erwachsene. Bei einem Konflikt oder einer Regel kommuniziert man und findet einen Kompromiss. Hier in Kanada  bin ich Kind. Diskutieren wird eher als ein Widerstreben gegen die Regeln und als respektlos angesehen. Regel ist Regel! Für Mädchen sind diese strenger als für Jungen. Klar gibt es die Regeln nur, damit ich sicher bin. Ich bin das nicht gewöhnt und es ist manchmal hart für mich damit klar zu kommen.

Mir fehlt im Auslandsjahr in Kanada das deutsche Essen

Da ich auch das deutsche Essen sehr vermisse, habe ich mich letztens in die Küche gestellt und Kartoffelpuffer mit Apfelmus gemacht. Während ich erst verdutze Blicke bekam, weil ich die Puffer mit Apfelmus esse. Nachdem sie es probiert hatten, hat es allen geschmeckt.

Das brachte mich auf die Idee meine Kochlehrerin in der Schule zu fragen, ob wir nicht auch mal was Deutsches kochen könnten. Also gab es in der Woche darauf eine schöne leckere deutsche Kartoffelsuppe mit gehackter Petersilie. Auch in der Schule kam das gut an.

Schüleraustausch: Erste Ausflüge in die weite der Natur in Kanada

Da es jetzt wirklich kälter wird und man im Winter nicht ganz so viele Aktivitäten draußen machen kann, sind meine Gasteltern mit mir zu deren Ferienhaus gefahren. Wir haben uns gleich die Kajaks genommen und sind den halben Tag unterwegs gewesen. Und weit und breit ist nichts außer Bäumen und beeindruckende Natur. Manchmal kommt sogar unser kleiner Hund Bess mit ins Kajak.

Ich war ganz aufgeregt vor dem ersten Familientreffen in Kanada

Endlich konnte ich die Kinder meiner Gasteltern, die schon aus dem Haus sind, kennen lernen. Wir hatten sie Anfang Oktober zu Thanksgiving eingeladen. Meine Gastmutter und ich haben einen Tag lang den traditionellen Truthahn und den Pumpkin Pie vorbereitet. Wir hatten eine richtig tolle Zeit miteinander und ich hab mich richtig wie Zuhause gefühlt.

Ganz groß wird hier Halloween gefeiert

Wir hatten schon einen Schulball, wo sich viele verkleidet haben. In der Schule und mit der Jugend aus der Kirche, zu der ich sonntags immer gehe, haben wir Kürbisse geschnitzt. Ganz viele Häuser sind gruselig geschmückt. Ich bin schon gespannt am 31. Oktober von Haus zu Haus zu laufen und „Süßes oder Saures“ zu rufen.

Ich glaube das Highlight des Monats war für mich der Besuch in der Schokoladenfabrik. Meine kleine Stadt hat nämlich eine eigene Schokoladenfabrik. Als wir eine kleine Führung bekamen, durften wir auch ganz viele Schokoartikel probieren. Am Besten schmeckten mir die Ahornsirupkekse und die Schokoladen-Karamell-Erdnuss-Cluster. Nun bin ich wirklich froh, dass ich hier mit guter Schokolade die nächsten acht Monate prima versorgt bin.

Bald werden die Weihnachtstage kommen. Da hier in Kanada der Brauch des Adventskranzes unbekannt ist, habe ich meine Mutter gebeten mir einen zuzusenden. Das Paket ist schon auf dem Weg.

Eure Camie

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

Wir freuen uns über Beiträge zum Blog
info(at)schueleraustausch-portal.de

Außer auf diesem Portal stellen wir gute Austauschorganisationen, Schulberatungen und Sprachreiseanbieter auch im Rahmen unserer AUF IN DIE WELT-Messen vor. Zu den nächsten Messen

Instagram