Schüleraustausch Chile: Das Leben ist viel entspannter als in Deutschland

Im Schüleraustausch in Chile hat Antonia kaum Zeit für Heimweh und den Kontakt mit ihrer Familie in Deutschland

Antonia im Schüleraustausch in Chile

Antonia aus Dortmund war mit unserem Stipendium in Patagonien in Chile. Hier berichtet sie über ihre Erfahrungen. Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Austauschschülern in Lateinamerika könnt ihr hier lesen: https://www.schueleraustausch-portal.de/blog-lateinamerika

Antonia lebt im Schüleraustausch in einer Kleinstadt im Süden von Chile

Meine Stadt, Puerto Natales ist klein und ruhig und hat ca. 20 000 Einwohner. Obwohl hier nicht viel los ist und die nächste Mall und das nächste Kino im 240 km entfernten Punta Arenas liegen, lebe ich gerne hier.

Im Schüleraustausch in Chile hat Antonia viel Gastfreundschaft erlebt

Entscheidendes, was ich hier in Chile gelernt habe, ist auf jeden Fall die ausgeprägte Gastfreundschaft und Offenheit der Chilenen anderen, auch Fremden gegenüber. Ich kann es nur an meinem eigenen Beispiel zeigen.

Als ich in Chile ankam, kaum ein Wort Spanisch konnte und die Gastfamilie mich auch nur von Fotos und Unterlagen her kannte, wurde ich sofort herzlichst aufgenommen. Auch haben wir oft Gäste im Haus, irgendwelche Tanten oder Cousins, die für eine unbestimmte Zeit, zwischen wenigen Tagen bis mehreren Wochen, dann bei uns wohnen.

Und als wir in den Urlaub nach Mittelchile, Talca gefahren sind, haben wir bei guten Freunden meiner Gasteltern gewohnt. Fünf ganze Wochen lang! Danach haben wir noch eine Tante in Puerto Montt besucht und sind bei ihr zehn Tage geblieben.

Als Gast bei anderen zu wohnen, heißt in Chile wirklich am Alltag teilzunehmen und mitzuhelfen. Man wohnt wirklich zusammen und lebt zusammen. So habe ich zum Bespiel während des gesamten Urlaubs jeden Tag das Haus gesaugt während meine Gastmutter gekocht und die Tante die Wäsche gewaschen hat. Die Aufgaben im Haushalt werden verteilt und am Ende ist man schnell fertig und hat genug Zeit, etwas zusammen zu unternehmen.

Die Chilenen lassen sich die Freude am Leben nicht nehmen

Auch denke ich, dass die Chilenen viel gelassener sind als die Deutschen. Chilenen stehen Problemen meist gelassener gegenüber und lassen sich die „Freude am Leben“ nicht nehmen. Als ich zum Bespiel nervös war, vor meinem ersten Schultag oder einer Schulgala, wurde mir immer gesagt „no te preocupes“ – mach dir keine Sorgen. Alles wird gut. Ein schöner Satz, der mir schon so manches Mal geholfen hat und den ich tief in mir gespeichert habe. Ich werde ihn mit nach Hause nehmen und ihn, so hoffe ich, nicht nur in meinem Leben immer beherzigen, sondern ihn auch an mein deutsches Umfeld weitergeben.

Der Schüleraustausch verändert für Lea die Sicht auf Deutschland

Ich habe im Schüleraustausch Chile auch einen neuen Blick auf meine Heimat Deutschland bekommen. Seit einem halben Jahr war ich nicht in Deutschland und das schafft natürlich auch viel Zeit zum Nachdenken.

Das Bildungssystem in Deutschland ist viel besser und für alle Menschen offen

Zum Beispiel bin ich sehr froh darüber, dass der Schul- und (zumindest teilweise) der Universitätsbesuch in Deutschland gratis sind. In Chile sind die Unis sehr teuer und fast unbezahlbar. Richtig gute Schulbildung gibt es meist auch nur auf den sehr teuren Privatschulen.

Die staatlichen Schulen werden extrem vernachlässigt und die Lehrer dort sind auch nicht wirklich motiviert, den Schülern viel beizubringen. Denn Schüler, die hier „nur“ eine staatliche Schule besucht haben, haben tatsächlich später kaum Chancen zu studieren bzw. gut bezahlte Jobs zu bekommen. Das wissen sowohl die Schüler als auch die Lehrer.

Die Gleichgültigkeit meiner Mitschüler hat mich schon so manches Mal fassungslos und vor allem sehr traurig gemacht. Aber meine Mitschüler selbst sind nicht traurig darüber. Sie wissen darum und sie nehmen ihr Schicksal so hin. Mich macht es ohnmächtig, wenn ich darüber nachdenke, denn meine Mitschüler sind in keiner Weise dumm oder zu faul zu lernen. Sie haben einfach nur nicht genügend Geld für eine teure Privatschule.

Statussymbole sind für die Chilenen nicht so wichtig wie in Deutschland

In Deutschland wird auch viel Wert auf Statussymbole gelegt und materielle Dinge sind sehr wichtig. In Chile ist das ganz anders. Selbst wenn ein Chilene nicht viel besitzt, materiell und finanziell, ist er doch zufrieden oder verliert sein Lachen nicht. Materielle Dinge zählen nicht so stark, viel mehr kommt es auf innere Werte und den Familiensinn an. Chilenen denken auch mehr daran, was sie haben, während Deutsche doch sehr oft daran denken, was ihnen fehlt.

Die Chilenen sehr viel spontaner als die Deutschen

Während in Deutschland Verabredungen, z.B. mit Freunden vorher über mehrere Tage geplant werden, trifft man sich in Chile meist sehr spontan und ungezwungen. Auch Entscheidungen werden meist auf den letzten Drücker getroffen. Als wir im letzten Jahr eine Klassenfahrt in den Nationalpark „Torres del Paine“ machen wollten, war es bis einen Tag vorher nicht klar, ob wir wirklich fahren würden oder nicht. Das sind auch kulturelle Besonderheiten, die mich immer noch verblüffen.

Im nächsten Beitrag berichte ich Euch über das Highlight der letzten Monate: unsere Urlaubsreise

Eure Antonia

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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