Schüleraustausch Brasilien: Hannah würde sofort wieder nach Brasilien reisen

Der Anfang war ein riesiges Abenteuer, die Sprache wunderschön und die Gastfamilie und das Condomínio geradezu paradiesisch

Hannah mit Freundin in Brasilien in Belo Horizonte

Hannah mit ihrer Stipendien-Urkunde vor der Abreise nach Brasilien

Rückblick von Hannah aus Berlin, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Brasilien verbracht hat

Wie heißt du und wie alt bist du?

Ich bin Hannah und siebzehn Jahre alt.

Du hast unser Taschengeldstipendium bekommen. Was machst du ehrenamtlich in Deutschland?

Ich habe in meiner Schule, die im Prozess ist, ihr Konzept zu entwickeln immer viel in Ausschüssen und bei Projekten mitgearbeitet oder diese sogar selbst organisiert. 

In welchem Land und wie lange hast du dein Auslandsjahr verbracht?

Ich war das letzte Schuljahr in Brasilien.

Warum hattest du dich für Brasilien entschieden?

Ich wollte für eine Weile weg; eine grundlegend andere Realität kennenlernen, mich selbst heraus- und vielleicht auch überfordern, eine zweite Familie und ein zweites Zuhause finden. Und Brasilien und seine sehr extreme bunte Mischung und vor allem seine wunderschöne Sprache - die viel schöner ist als europäisches, kantiges Portugiesisch!! - haben mich dann noch mit dem kindlichen Traum des Amazonas sehr neugierig gemacht und im Endeffekt auch sehr glücklich.

Wie groß war der Kulturschock? Was hat dich in Brasilien am meisten beeindruckt?

Als ich in Brasilien ankam konnte ich noch kein Portugiesisch. Das und die extreme Armut, die ich so vorher noch nie gesehen hatte, haben mich ziemlich fertig gemacht. Und natürlich gibt es auch manche Umgangsformen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Eine gewisse Oberflächlichkeit bei allem zum Beispiel, oder dass Konflikte geleugnet und dann fast immer nur im Stillen ausgetragen werden. Aber all‘ das ist mir sehr schnell vertraut geworden.

Wie bist du mit deiner Gastfamilie im Schüleraustausch in Brasilien zurecht gekommen?

Ich hatte insgesamt drei Gastfamilien. Eigentlich war das so nicht vorgesehen, aber zurückblickend bin ich froh darüber, denn so habe ich gleich drei verschiedene Alltage kennengelernt. Aber tatsächlich hatte ich mit meiner ersten Familie ziemliche Probleme, einfach weil unsere Wege zu kommunizieren sehr, sehr unterschiedlich waren und wir einfach nicht zu einander passen wollten! Aber ich glaube ab einem bestimmten Punkt muss man das auch einfach akzeptieren. Nicht jeder kommt mit jedem und allem zurecht.

Aber mit meinen beiden letzteren Gastfamilien war es wunderschön und ich bin ihnen für ihre Offenheit unglaublich dankbar!

Was waren deine schönsten und deine wichtigsten Erfahrungen im Schüleraustausch Brasilien?

Auf der anderen Seite der Erde Menschen zu finden und lieb zu gewinnen, die mich so vorbehaltlos aufgenommen und akzeptiert haben und die für immer Teil meiner Familie bleiben werden.

Es geht ja nicht alles immer rosig zu. Was hat dir nicht gefallen? Was waren negative Erfahrungen?

 

Eine unzuverlässige (brasilianische) Austauschorganisation zu haben, ihr ausgeliefert und trotzdem allein gelassen zu sein war hart, aber lehrreich, genauso wie das tiefe gegenseitige Unverständnis und die vier Monate in meiner ersten Gastfamilie, bei der ich mich sehr allein und vor allem abgelehnt gefühlt hab!! So ohne "Boden" zu leben war sehr deprimierend. 

Hast du in Brasilien bleibende Freundschaften geschlossen?

Das größte Geschenk und Glück des gesamten Jahres, ja. Und jetzt gerade tut es sehr weh zu wissen, dass ich nicht einfach ein paar Häuserblocks laufen und sie besuchen kann, sondern wahrscheinlich mindestens zwei Jahre warten muss bis ich sie wiedersehe!

Hast du im Schüleraustausch in Brasilien neue Hobbies gefunden?

Leider nein, ich ärgere mich nicht Samba tanzen gelernt zu haben! Aber ich kann jetzt wenigstens in Ansätzen kochen, weiß wie man überdimensionale Spinnen tötet und aus Palmblättern Kronen faltet, immerhin schon etwas.

Du bist jetzt wieder in Deutschland. Ist Alles wie gehabt (Familie, Freunde, Schule)?

Nein, natürlich nicht, alles ist irgendwie ein bisschen fremd und trotzdem vertraut, alles in allem sehr komisch, ich freue mich wie ein Kind über die selbstverständlichsten Kleinigkeiten und meine Freunde wiederzusehen und umarmen zu können ist wundervoll. Aber nur über Nachrichten mit meinen Lieblingsbrasilianern kommunizieren zu können ist absolut beschissen! 

Hast du Pläne deine Auslandserfahrungen zu nutzen (Studium im Ausland etc.)?

Ich würde sofort wieder nach Brasilien reisen, ich habe noch immer viel zu wenig von diesem riesigen, wunderschönen Land gesehen, aber ich glaube dort studieren oder für immer leben wollen würde ich nicht, dafür fühle ich mich dort nicht frei genug, leider.

Wovon können sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden?

Von der brasilianischen Leichtigkeit und Großzügigkeit, von der manchmal fast verrückten Spontanität und Unkompliziertheit, von der freundlichen Offenheit im Umgang mit Anderen, Fremden. 

Denn so stark der Rassismus in Brasilien auch sein mag, Machismus und Homophobie haben es trotzdem viel, viel schwerer!! 

Deine 3 Tipps für alle, die zum Schüleraustausch ins Ausland gehen

Für mich war der Anfang meines Auslandsjahres eine Kraftaufgabe, wer so etwas auf sich nimmt, sollte sich vor allem nicht selbst unterschätzen, denn das passiert in solchen extremen Situationen viel leichter als sich zu überschätzen!

Im Endeffekt waren diese Konflikte mit die wichtigsten Erfahrungen, durch die ich aber auch die meisten und besten Freunde gefunden habe!

Freunde sind sowieso am aller wichtigsten; vielleicht gibt es Leute die in ihrer Gastfamilie tatsächlich eine zweite Familie finden, aber an sich finde ich diese Erwartungshaltung irreführend und gefährlich, weil man sehr leicht von ihr enttäuscht werden kann. Man ist eben kein leibliches, echtes Kind, das ist ja auch völlig in Ordnung so. 

Für mich war meine Gastfamilie nie eine Familie, sondern einfach sehr respektierte und gute Freunde, und meine Freunde waren und sind meine eigentliche Familie. Und beides macht mich genau so unglaublich glücklich.

Wie intensiv und "erfolgreich" ein Jahr wird, hängt nicht nur von dir ab, es gibt viele, viele andere Menschen, deine Schule, Organisation, Gastfamilie, die darauf Einfluss haben. Aber für mich ist, neben der Neugier auf alles und jeden, die wichtigste Eigenschaft eines Austauschschülers der Wille selbst nach Freunden, Lösungen und dadurch plötzlich ganz neuen Möglichkeiten zu suchen. 

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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