Alex zum Schüleraustausch in Irland: Heimweh, Familienwechsel und spannende Erlebnisse

Erfahrungsbericht Teil 2 von Alex, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Irland verbringt

Alex mit Nele und Ben im Hafen von Derry

Mein Name ist Alex, ich komme aus Schleswig-Holstein und ich bin zurzeit in Irland.

Heimweh gibt es tatsächlich

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich bisher einmal das Gefühl von einer Art Heimweh. In der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester gab es ein paar Tage, in denen ich keine Motivation für Aktivitäten hatte. Mein Verhalten war bestimmt depressiv für Außenstehende und ich habe oft und lange mit meinen Eltern und meinem Bruder geskypt. Meine französische Gastschwester und viele Freunde, welche auch Austauschschüler in Irland sind, haben es ähnlich empfunden. Wir hatten alle dasselbe Gefühl. Es war, als würden wir noch auf Weihnachten warten, auch wenn es schon in der Vergangenheit lag. Umso überraschender war es für mich, als dann auf einmal Silvester vor der Tür stand. Meine Freundin und ich hätten beinahe den Jahreswechsel verpasst. Zum Glück habe ich hier Freunde, denen es genauso ergeht und mit denen ich in dieser Zeit darüber sprechen konnte. Das hat mir sehr geholfen. Außerdem war ich in der ganzen Zeit bisher davon überzeugt, kein Heimweh zu verspüren. Inzwischen glaube ich aber, dass jeder eine andere Art von Heimweh verspürt. Mein Englischlehrer in Deutschland hat uns davon schon früh erzählt, aber erst jetzt nach meiner eigenen Erfahrung kann ich ihm vollkommen zustimmen.

Meine Sehnsüchte in Irland

Eine Sehnsucht, mit der ich ebenfalls nicht alleine bin, ist das Sehen von bekannten oder familiären Gesichtern. Mir ist es schon häufig passiert, dass ich Freunde von zu Hause in fremden Personen gesehen habe. Beim Realisieren fiel mir dann oft auf, dass die Personen überhaupt keine Ähnlichkeiten mit meinen Freunden hatten. Diese Situation hat mich schon oft zum Lächeln gebracht.

Eine andere Sehnsucht muss ich ebenfalls erwähnen: Die Sehnsucht nach deutschem Essen. Glücklicherweise haben mir meine Eltern bereits das eine oder andere Mal das Leben gerettet durch das Senden von richtig deutschem Schwarzbrot oder schöner deutschen Schokolade. Ich habe immer versucht, mir alles gut aufzuteilen, aber das hat meistens nur teilweise geklappt, da es einfach zu verlockend war und ich auch anderen deutschen Austauschschülern etwas abgegeben habe. Unter den Austauschschülern wird oft geteilt, weil wir alle das gleich zur selben Zeit empfinden. Außerdem durfte ich so auch schon mal richtig spanisches, italienisches und französisches Essen probieren.

Auf diesem Bild sieht man die "Cliffs of Moher" in der Nähe von Galway. Ich habe einen Ausflug mit der Schule dorthin gemacht. Wir haben drei Nächte in Galway verbracht und es war eine schöne Zeit.

Kontakt mit meiner Familie in Deutschland

Der Kontakt nach Hause ist rar. In der Weihnachtszeit hat er stark zu genommen, aber nun im Februar habe ich kaum Kontakt zu Freunden nach Deutschland. Ich bin generell nicht die beste Person im Thema Kontakt halten, aber im Moment ist es extrem wenig. Ich kontaktiere meine Eltern nur, wenn ich eine Erlaubnis für meine Zukunftspläne haben möchte und meine Mutter möchte ab und zu mal ein Lebenszeichen von mir haben. Ich pflege zu sagen, dass solange sie nichts hört, ist alles okay. Mit dieser Lösung kann sie sich aber verständlicherweise nur halb abfinden.

Dublin bei Nacht. Dieses Foto ist bei einem abendlichen Aufenthalt in Dublin  entstanden. Meine Freundin Svenja war ein halbes Jahr in Irland und wir haben ihr letztes Wochenende in Dublin verbracht.

Weihnachten und Sylvester in Irland

Die Weihnachtstage habe ich überwiegend langweilig empfunden, da ich immer noch auf Weihnachten gewartet habe. Meine Gastschwester und ich haben uns nicht als Part der Familie angesprochen gefühlt. Die ganze Familie ist zusammen gekommen und es war eine fröhlich Stimmung war unter ihnen. Ich hatte das Gefühl, dass die ganze Zeit etwas von mir erwartet wurde und deshalb habe ich mich fehl am Platz gefühlt. Silvester war ebenfalls komisch, da wir nicht darauf vorbereitet waren, das Jahr zu wechseln.

Es hat sich seltsam angefühlt, an den Feiertagen nicht daheim zu sein. Es mag sich kitschig anhören, aber dadurch, dass ich kein Teil der Familie war, habe ich die Liebe an den Weihnachtstagen vermisst. Die Traditionen von zu Hause haben mir gefehlt und ich wusste nicht, was ich unternehmen sollte, weil meine Erwartungen auf gemeinsame Familienaktivitäten nicht befriedigt waren.

Wechsel zu meiner neuen Gastfamilie

Im Herbst habe ich dann die eine oder andere Halluzination mit bekannten Personen, also Freunden, erlebt. Außerdem haben meine Gastschwester und ich zu diesem Zeitpunkt realisiert, dass wir nicht zufrieden in der zu der Zeit aktuellen Gastfamilie sind. Leider haben wir nicht sehr viel Unterstützung von der Organisation bekommen, sodass ich mich dann auf eigene Faust auf die Suche nach einer neuen Gastfamilie gemacht habe. In der Schule habe ich unter den Austauschschülern versucht herauszufinden, wer nur ein halbes Jahr bleibt und ob diese Personen froh in ihrer Familie sind. Da ich aber nicht die einzige Person gewesen bin, die die Gastfamilie wechseln wollte, hat es bei der Suche ein paar Hindernisse gegeben. Als ich dann eine spanische Austauschschülerin gefunden habe, die noch vor Weihnachten nach Hause fährt und der es sehr gut in ihrer Gastfamilie gefallen hat, war ich glücklich. Bei dem Kennenlernen der Familie gab es eine Überraschung, als ich noch meine Gastschwester mitgebracht habe. Carmel, meine jetzige Gastmutter hat uns aber beide aufgenommen, auch wenn sie darauf nicht vorbereitet war. Nun teile ich mir ein Bett und ein Zimmer mit Nelly, meiner französischen Gastschwester, da das Haus von Carmel schmal und klein ist. In der neuen Familie habe ich außerdem noch zwei Gastgeschwister bekommen: Eine elfjährige Schwester namens Katie und einen dreizehnjährigen Bruder namens Jake. Nelly und ich haben uns gut in die neue Gastfamilie eingelebt, auch wenn wir erst knappe zwei Monate mit ihnen leben.

Mein Leben in Irland

Mein Gefühl im Bezug auf das Austauschjahr nach sechs Monaten ist gut. Am Anfang war alles neu und fremd, sodass ich meine Gefühle und meine Einstellungen darüber nicht wirklich feststellen konnte.

Ich denke, dass ich durch die jetzt entspannte Atmosphäre im Haus anfange, dieses Auslandsjahr richtig zu genießen. Dass dieses Jahr eine große Erfahrung für mich ist, realisiere ich immer mehr. Mein Kunstlehrer hier in Irland prägt uns immer wieder ein, dass es keine Probleme, sondern nur Herausforderungen zu lösen gibt ('There are no problems, just challenges to solve'). Das Gefühl von Zufriedenheit hat mich inzwischen überwältigt. Ich bin froh, in Irland zu sein, aber ich habe auch eine Vorfreude auf das Zurückkommen in meine Heimat. Ich genieße beides und bin froh diese Möglichkeit für mich genutzt zu haben.

Ich habe hier gute Freunde gefunden und hoffe, dass ich mit einigen von ihnen noch lange in der Zukunft in Kontakt bleiben werde. Ich werde bestimmt einzelne Charaktere vermissen, aber im Moment verbringe ich die Zeit mit ihnen. Ich lebe den Moment.

An Freizeitaktivitäten habe ich hier das Spielen von Pool, das Tanzen von dem Irischen Volkstanz und Surfen für mich entdeckt. Pool ist eine gute Beschäftigung zu jeder Zeit für fast jeden. Meine Freunde und ich spielen es oft und versuchen stetig besser zu werden. Einmal in der Woche trainiere ich mit vielen anderen Mädchen Irish Dance und es ist jedes Mal wieder spaßig. Die Möglichkeit surfen zu fahren, ereignet sich leider nicht sehr häufig aufgrund des launischen Wetters.

 

Auf diesem Bild haben wir einen Ausflug zum Paintball spielen gemacht. Wir haben mit mit Farbbällen geladenen Luftgewehren aufeinander geschossen. Es hat sehr viel Spaß gemacht und wir werden es auf jeden Fall noch wiederholen.

Da die Schule nicht besonders groß ist, findet sich man dort relativ schnell zurecht. Im Unterricht kann ich gut folgen und ich verstehe eigentlich fast alles. Inzwischen sind schon viele Austauschschüler nach Hause gefahren, das heißt, dass die meisten, die jetzt noch hier sind, bis zum Ende des Schuljahres bleiben. So sind wir eine übersichtliche Anzahl geworden und lernen uns untereinander noch besser kennen. Auch die Lehrer sind offen und erklären uns Wörter, die wir nicht verstehen.

Viele Unterschiede zwischen Irland und Deutschland

Es gibt ein paar Unterschiede zwischen Irland und Deutschland aus meiner Sicht. Meistens sind es nur kleine, aber sie sind gerade groß genug, um einem aufzufallen.

  • Zum einen regnet es hier häufiger und natürlich ist es grüner, als zu Hause. Das Bild der grünen Insel trifft es ganz gut. Von dem Glück habe ich noch nicht so viel verspürt, und ich habe auch noch keinen Kobold angetroffen…
  • Die Temperatur nimmt nicht überdurchschnittlich ab oder zu, sodass man hier eigentlich das ganze Jahr über fast die gleiche Kleidung tragen kann. Schnee fällt selten und wenig, sodass die Iren schon bei 5cm den Verkehr lahm liegen lassen und lieber zu Hause bleiben. Winterreifen gibt es nicht, obwohl es das eine oder andere Mal glatt und eisig war.
  • Auf den Straßen existiert natürlich auch der Unterschied des Linksfahrens. In Deutschland herrscht das Rechtsfahren auf den Straßen.
  • Das Essen besteht überwiegend aus Kartoffeln und es gibt fast alle Mahlzeiten mit diesen. Das irische Essen kommt mir ungesünder und fettiger vor. Ich habe das nicht nur in meiner Gastfamilie festgestellt, sondern in einigen von Freunden. Normales Brot kommt in Irland selten auf den Tisch, stattdessen wird viel Toastbrot gegessen, welches auch nicht das gesündeste ist.
  • Dinner wird gleich nach der Schule gegen halb fünf gegessen, zumindest in meiner Familie. Es ist die größte und aufwendigste Mahlzeit am Tag. Am Samstag ist es unterschiedlich, wann es Dinner gibt; am Sonntag jedoch ist es fast immer gegen eins vorbereitet. Supper kann am Abend noch eingenommen werden, ist aber oft nicht nötig, denn auch mein Magen hat sich jetzt an diesen Tagesablauf gewöhnt. Es wird wahrscheinlich schwierig, sich in Deutschland wieder umzugewöhnen, denn bei mir zu Hause gibt es zum Mittag meist etwas Größeres und die Größe vom Abendbrot ist unterschiedlich. Abendbrot wird aber meist gegen acht gegessen.
  • Ein anderer Unterschied ist die Uhrzeit. Die Iren sagen 'halb eins', wenn es 1:30 Uhr ist, hingegen es bei mir zu Hause 'halb zwei' wäre. Am Anfang des Jahres hat mich das oft verwirrt und dazu geführt, dass ich ein wenig später gekommen bin. Ich war aber nicht die einzige, die damit Schwierigkeiten hatte, denn vielen anderen deutschen Austauschschülern erging es genauso.
  • Ein weiterer Unterschied in Irland ist, dass Züge und Gleise selten sind. Die Anzahl der Zugverbindungen ist sehr übersichtlich und verläuft sich überwiegend im Süden. Dieser Unterschied hat mich spüren lassen, wie einfach das Zugfahren ist und wie sehr ich daran gewohnt bin. Ehrlich gesagt, vermisse ich es. Das öffentliche Verkehrsmittel, welches hier benutzt wird, ist der Bus. Allerdings besteht zur späten Tages- und Nachtzeit das Problem, dass die Busfahrer nur zu einer Haltestelle fahren, wenn dort ein Passagier aussteigen muss. So kommt es dazu, dass man manchmal lange auf den Bus warten kann und er niemals kommen wird. Auch die Zeiten variieren zwischen dem Busfahrplan auf den richtigen Internetseiten und dem tatsächlichen Ankommen der Busse.
  • Das Auto ist das einzige Verkehrsmittel und Fahrrad fahren ist eine äußerst gefährliche Angelegenheit. In meinem Heimatort in Deutschland ist es ziemlich selten, kein Fahrrad zu fahren, da es einfach zu praktisch und einfach ist, Rad zu fahren.
  • In einem normalen Haus in Irland läuft der Fernseher eigentlich durchgehend in fast jeder Familie, auch manchmal während dem Essen. In Deutschland habe ich das nicht so feststellen können, worüber ich auch äußerst froh bin.
  • In vielen irischen Häusern ist die Toilette getrennt von dem Waschbecken und der Dusche/Badewange, hingegen in Deutschland ist eigentlich alles zusammen in einem Raum oder nur ein kleines Waschbecken mit Toilette. Beides ist recht sinnvoll.
  • In Irland findet man üblicherweise keine richtigen Brotbretter, aber das liegt daran, dass sie hier auch nicht häufig oder richtig schönes Brot essen, in Deutschland weiß man das Brot zum Glück zu schätzen.

Hier ist der 'Upper Lake' zu sehen, welchen wir auf dem Rückweg von Killkenny zu Monaghan besichtigt haben. In Killkenny haben wir zwei spaßige Nächte verbracht und das Schloss besichtigt.

Das Schulsystem in Irland

Das Schulsystem ist natürlich einfacher, als das komplizierte Deutsche. In meiner alten Gastfamilie ist meine kleine Gastschwester mit 4 Jahren bis ihrem 12 Lebensalter in die 'Primary School', welche vergleichbar mit der Grundschule ist. In der 'Secondary School' (weiterführenden Schule) verweilt man bis circa dem 18 Lebensjahr.

Man kann wählen zwischen Irischen Schulen (in denen überwiegend irisch beigebracht wird), Jungenschulen, Mädchenschulen, gemischten Schulen, Katholischen Schulen und Internaten. Ich gehe zum Beech Hill College, welches eine gemischte Schule ist.

In der Secondary School sind die Jahrgänge von eins bis sechs benannt. Der 'Fourth Year' wird auch 'Transition Year' genannt und es ist optional, ob man es machen möchte. Im Transition Year werden viele praktische Sachen gemacht und mehrere Ausflüge unternommen.

Der Abschluss ist höher oder niedriger anzusehen, es kommt darauf an, wie viele Punkte man im Laufe der Jahre gesammelt hat. Ich denke, dass man mit dem Sammeln der Punkte beim Eintreten in die Secondary School anfängt. Man kann mehr Punkte sammeln, wenn man im 'Higher Level' ist, denn dann werden die Arbeiten mit mehr Punkten gewertet. Außerdem kommt es natürlich immer auf die 'Grades' (Noten) an; diese sind aufgeteilt in den Buchstaben von A bis E. Die Grades werden in Prozentsätze umgewandelt und als Punkte in der persönlichen Datei addiert; so habe ich das Schulsystem bisher verstanden. Der endgültige Abschluss heißt 'Leaving Certificate'. Das 'Third Year' macht das 'Junior Certificate', welches ebenfalls ein Abschluss ist. Wofür das Junior Certificate gut ist, habe ich noch nicht ganz verstanden.

Was ich in Irland noch erleben will

Von den weiteren Monaten erhoffe ich mir, noch ganz viel zu erleben. Ich werde nur noch drei Monate in Irland bleiben und das ist nicht mehr viel Zeit. Meine Eltern werden mich nächste Woche besuchen kommen und auch das wird ein schöner Spaß werden, da ich mich meiner Meinung nach ein wenig weiter entwickelt habe. Ich freue mich darauf, mit ihnen im Süden Irlands herumzufahren und Städte zu besichtigen.

Außerdem werde ich noch viele Ausflüge unternehmen und die letzte Zeit in Irland vollkommen genießen.

Eure Alex

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist in der Nähe von Hamburg. Wir arbeiten mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch und Auslandsaufenthalte nach der Schule vermitteln.

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