Schüleraustausch USA: Wie Navina ihr Traumziel Kalifornien erreicht hat

Seit ich denken kann habe ich Fernweh und interessiere ich mich für die USA

Navina aus Schleswig-Holstein verbringt ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Kalifornien. Sie berichtet hier über ihre Erfahrungen.

Wie ich dazu kam, ein Auslandsahr in den USA zu machen

Ich war nie die Person, die immer an einem Ort bleiben wollte und gerne Zuhause ist. Ich habe seit ich denken kann ein stetiges Fernweh und wollte immer reisen, oder auch nur einen neuen Ort sehen. Zudem habe ich mich seit ich denken kann für die USA interessiert und wollte schon immer einmal dort hin. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Traum einmal wahr wird und ich nun sogar in den USA lebe.

Als ich mich das erste Mal mit dem Thema Auslandsjahr auseinandergesetzt habe, wusste ich nicht annähernd wie viel hinter diesem einen Wort steckt. Ich bin zufällig auf die Austausch-Messe in meiner Stadt gegangen. Das ist eine Messe, auf der sich die verschiedenen Organisationen vorstellen und man sich beraten lassen kann. Von Auslandsjahr und Au Pair bis hin zu Work and Travel; diese Messe ist genau das Richtige, wenn man sich danach sehnt eine Zeit im Ausland zu verbringen.

Ich habe dort mit verschiedenen Austauschorganisationen geredet und sie haben mir von den verschiedenen Austauschländern und ihren Programmen erzählt. Mein Blick blieb schon zu diesem Zeitpunkt immer an den USA Flaggen hängen und ich dachte mir, dass es meine Chance sein könnte, ein Jahr in meinem Traumland zu verbringen. Nach dem ich drei Interview-Gespräche mit verschiedenen Organisationen vereinbart hatte, wurde es auch bald ernst. Mit allen dreien hatte ich gute Gespräche und sie konnten mich noch einmal gut über ihre Programmeinformieren. Letztendlich habe ich mich dann bei der finalen Entscheidung auf mein Bauchgefühl verlassen, da die Programme und Preise ähnlich waren. Bisher habe ich es auch nicht bereut.

In die Bewerbung für das Auslandsjahr habe ich viel Zeit investiert

Ich habe mich im November angemeldet und im Dezember die Unterlagen ausgefüllt, von denen ich niemals gedacht hätte, dass es so viele sind. Ich musste eine richtige Bewerbung ausfüllen mit allen möglichen Informationen über mich und meine Interessen. Am besten stellt man sich darauf ein, etwas Zeit für die Bewerbung einzuplanen, da man sich auch Mühe geben möchte, um zum Beispiel den Brief an die zukünftige Gastfamilie zu schreiben. Ab Januar waren meine Unterlagen dann in den USA und ich habe angefangen darauf zu warten, dass sie eine Gastfamilie finden. Man hat zwar gesagt bekommen, es sei normal seine Familie erst im Mai/Juni bekommt, aber es kann durchaus vorkommen, dass sie früher oder später kommt. In der zwischen Zeit hat der Papierkram leider nicht geendet, denn ich musste im Frühjahr mein Visum beantragen und ich habe angefangen mich für Stipendien zu bewerben.

Stipendiensuche für die Finanzierung meines Schüleraustausches

Ein Austauschjahr kostet viel Geld und dann benötigt man vor Ort noch Taschengeld. Da es für meine Familie zunächst einmal nicht so einfach war es zu finanzieren, habe ich mich angefangen für die verschiedenen Arten eines Stipendiums zu informieren. Letztendlich habe ich mich insgesamt für drei verschiedene beworben und auch eins bekommen: Das Stipendium der Deutschen Stiftung Völkerverständigung.

Zusätzlich habe ich auch den Antrag für Bafög ausgefüllt. Ich habe erst auf der Messe erfahren, dass das Bafög nicht nur für Studenten gedacht ist, sondern auch Austauschschüler sich dafür bewerben können. Das Bafög-Amt errechnet je nach Einkommen der Eltern eine Summe, die sie bereit sind zum Auslandsaufenthalt beizusteuern, damit dieser ermöglicht werden kann. Mein Stipendium und das Geld vom Bafög sind nun auch die beiden Finanzierungshilfen die ich habe. Neben diesen ganzen Bewerbungen hatte ich dann auch noch das Vorbereitungstreffen meiner Organisation, welches einen Tag lang ging und mich noch einmal sehr gut auf meine Zeit hier vorbereitet hat. Als es Anfang August war bekam ich auch endlich meine Gastfamilie.

Ich musste lange auf meine Gastfamilie in den USA warten

Ich war schon etwas verzweifelt, weil es bereits achtzehn Tage vor meinem Abflug war und ich immer noch keine Informationen hatte. Dafür habe ich mich dann umso mehr gefreut als ich sie bekommen habe. Meine Gastfamilie besteht aus Gasteltern, einem Gastbruder, zwei Gastschwestern und einem weiteren Gastschüler aus China. Also eine ziemlich große Familie, aber damit hatte ich kein Problem.

Meine Reise zum Schüleraustausch in die USA war aufregend

Als dann endlich der lang ersehnte Tag gekommen war, fühlte es nicht real an. Ich war bereits drei Tage vor meinem Abflug nur noch mit Packen, Aufräumen und dem letzten Papierkram beschäftigt und wesentlich angespannter, als ich es gedacht hätte. An dem Tag, an welchem wir zum Flughafen gefahren sind, habe ich bestimmt fünf Mal nachgesehen, ob ich auch alle wichtigen Dokumente mit habe und hatte trotzdem das durchgehende Gefühl, die Hälfte vergessen zu haben.

Mir war schlecht als ich im Auto saß und als ich mich endgültig von meiner Familie verabschiedet habe, musste ich einfach den Gedanken daran verdrängen, wie lange ich sie nun nicht sehen würde, da ich sonst vermutlich wieder aus der Sicherheitskontrolle hinaus gerannt wäre. Ich habe versucht in diesem Moment nach vorne zu schauen und mich darauf zu freuen, dass so vieles vor mir liegt.

Als ich dann im Flugzeug saß, dachte ich schon gar nicht mehr so richtig über den Abschied nach, weil ich mit anderen Austauschschülern zusammen nach New York zu den ,,Orientation Days“ geflogen bin und mich die Gesellschaft abgelenkt hat. Sobald ich dann in New York angekommen war, hatte ich überhaupt keine Zeit für Heimweh oder Zweifel, denn ich war nur damit beschäftigt die unbeschreiblichen Eindrücke von dieser Stadt in mich aufzunehmen. Ehe ich mich versah, waren unsere drei Tage in New York auch schon vorbei und mein Auslandsjahr begann erst richtig.

Die Ankunft in Kalifornien

Meine Ankunft hier in Camarillo war eine unglaublich intensive Zeit, da ich alles zum ersten Mal gesehen habe und mich über jede Kleinigkeit gefreut habe. Ich konnte nicht fassen, dass ich Palmen von meinem Fenster aus sehen konnte, oder wie unfassbar gut die Donuts schmecken. Meine Gastfamilie zeigte mir in den ersten Tagen ein wenig von unserer Stadt und wir fuhren an den zwanzig Minuten entfernten Strand. Ich verstand mich gut mit allen Familienmitgliedern und war sehr glücklich, dass mein Auslandsjahr endlich anfing. An Zuhause habe ich kaum gedacht, denn es gab so viel zu entdecken. Ich war froh, dass ich vier Tage hatte um mich etwas in meiner Gastfamilie ,,einzuleben“, bevor dann die Schule losging. Doch im nach hinein betrachtet, waren vier Tage für mich etwas wenig, da ich nicht wirklich angekommen war und schon meinen ersten Schultag vor mir hatte.

Mein erster Schultag in den USA

Ich habe keine wirklichen Erwartungen an meinen ersten Schultag gehabt und das würde ich auch jedem zukünftigen Austauschschüler raten, denn ich glaube es würde immer anders sein, als man sich es erhofft. Am Morgen meines ersten Schultags war ich sehr aufgeregt, aber am meisten habe ich mich gefreut, denn ich würde endlich auf eine echte amerikanische High School zu gehen! In Ordnung, meine High School ist nicht wirklich ,,typisch amerikanisch“, denn sie ist so neu, dass sie noch keine Sportarten hat. Außerdem sind wir auf drei,,Akademien“ eingeteilt, welche sich in die Bereiche Architektur, Kunst und Medizin unterteilen. Ich bin Teil der Kunst Akademie und habe deswegen mehr Tanzen oder Theater spielen in meinem Stundenplan. Erst war ich etwas enttäuscht keine typische Schule zu haben, aber das änderte sich schon in meiner ersten Schulwoche, in der ich unsere Schule besser kennen ernte.

Meine Gastschwester hat mich an meinem allerersten Tag zu meinem Klassenraum gebracht und mir ein wenig erklärt, was ich tun soll. Mein erster Schultag war zugleich ein ,,heat-day“ was bedeutet, dass es sehr heiß war und wir früher Schulschluss hatten, da es zu heiß war für Unterricht. Natürlich hatte ich mein Wasser vergessen und unsere Schule hat noch keine Klimaanlage. Am Ende des Tages, war ich einfach nur erschöpft und dehydriert, da ich zwischen den Klassen keine Zeit hatte etwas zu trinken und nur damit beschäftigt war meinen nächsten Raum zu suchen.

Amerikaner sind freundlich und hilfsbereit

Allerdings konnte ich bereits mit ein paar netten Leuten reden, mit denen ich mich selbst jetzt noch gut verstehe. Amerikaner sind einfach sehr freundlich und hilfsbereit, wenn man sie irgendetwas fragt. Ich schaffte es dann nach ein paar Wochen endlich mich in der Schule zurechtzufinden und konnte auch zwei Clubs beitreten, einen für Theater und einen für ehrenamtliche Arbeit in der Gemeinschaft. Es ist immer noch etwas fremd für mich in die Schule hier zu gehen, da wir alles auf dem Computer machen und ich mich damit erst einmal zurechtfinden musste. Insgesamt mag ich meine Schule aber sehr und momentan habe ich die Fächer US History, Englisch, Video Produktion und Tanzen. Ich habe nur so wenig Fächer, da ich Trimester habe und unser Stundenplan sich somit dreimal im Jahr verändert. Das ist manchmal etwas anstrengend, da man eine Stunde für eine lange Zeit hat.

Probleme mit meiner Gastfamilie

Mit meiner Gastfamilie lief es in der zwischen Zeit nicht wirklich so, wie ich es mir vorgestellt habe, aber ich war selbstverständlich bereit dem ganzen eine Chance zu geben. Ich sollte an dieser Stelle erwähnen, dass es sich bei meiner Gastfamilie um eine ,,welcome family“ handelt. Das bedeutet in meinem Fall, dass sie sich entschlossen haben mich für die ersten Wochen meines Aufenthaltes bei sich aufzunehmen und dann nach sechs Wochen entscheiden wollten, ob ich das ganze Jahr bei ihnen bleiben kann.

Bei meiner Familie basierte diese Entscheidung darauf, wie viel Zeit sie letztendlich für mich übrig haben, da sie bereits eine große und viel beschäftigte Familie sind und ob ich mich gut mit meiner Gastschwester verstehe, mit der ich mir mein Zimmer teile.

Natürlich war die einzige, mit der ich kein gutes Verhältnis aufbauen konnte, meine Gastschwester. Obwohl die ganze Familie bereits nach den ersten drei Wochen zugestimmt hat, dass ich das ganze Jahr bei ihnen bleiben kann, habe ich mich nach mehreren Gesprächen mit meinem lokalen Betreuer dafür entschieden, die Familie zu wechseln. Es war keine einfache Entscheidung, aber ich bin froh sie getroffen zu haben. Es sind viele Dinge zusammen gekommen und aufgrund mehrerer Faktoren stimmte meine Organisation zu, mir eine neue Gastfamilie zu suchen.

Die Suche nach einer neuen Gastfamilie in den USA für mich

Nun suchen sie bereits seit fast fünf Wochen eine neue Familie und ich gebe mir Mühe geduldig zu bleiben. Das ist bisher die einzige negative Erfahrung, die ich mit meiner Organisation hier gemacht habe, denn ich dachte immer, wenn ich wirklich die Familie wechseln wollen würde, dass das kein Problem sein sollte. Wie sich herausstellte, muss ich nun vielleicht in eine andere Stadt ziehen, wenn sie in meinem Ort niemanden finden.

Die letzte Zeit war nicht immer einfach, aber ich halte an den positiven Dingen fest. Das Wetter ist immer schön, ich habe bereits nette Leute kennengelernt, mit denen ich etwas unternehmen kann und ein paar schöne Orte entdeckt. Momentan versuche ich mir eine Möglichkeit zu suchen etwas Sport zu machen, da meine Schule wie erwähnt keine Sportarten anbietet. Der Sport beziehungsweise das Tanzen fehlt mir schon etwas und da Amerikaner für alles das Auto nehmen, habe ich auch nicht viele Möglichkeiten mich mal nebenbei zu bewegen. Eine Sache die ich auf jeden Fall schon gelernt habe, ist zu allem ,,ja“ zu sagen, besonders wenn man nicht weiß, was einen erwartet.

Hayride im Maisfeld: Spaß mit einer überraschenden Begegnung

Gestern zum Beispiel hat mich meine Gastfamilie mit auf eine ,,Hayride“ im Nachbarort Ojai genommen. Ich hatte keine Ahnung was ich mir darunter vorstellen sollte und das Einzige, das sie mir erklärt haben war, dass wir auf einem Trecker durch ein Maisfeld fahren würden. Obwohl ich lieber zuhause geblieben wäre, da ich gerne mal einen freien Nachmittag gehabt hätte, entschied ich mich mit zukommen - was sich als eine gute Entscheidung herausstellte. Gleich zu Beginn, als wir vor dem Maisfeld ankamen, begann die Freundin meiner Gastschwester zu kichern und zu tuscheln. Als ich sie fragte was denn los sei haben sie mir gesagt, dass einer der Hauptdarsteller von der TV Serie ,,The Walking Dead“ am Tisch gegenüber sitzen würde. Ich hielt das ganze erst für einen Scherz, aber dann habe auch ich ihn erkannt. Ich habe an dem Tag meinen ersten Star betroffen und mich sogar getraut nach einem Foto zu fragen.

Die anschließende Hayride erwies sich auch als sehr lustig, da man tatsächlich im dunkeln durch ein Maisfeld gefahren wurde und von ,,bösen Geistern“ erschreckt worden ist.

Meinen Alltag im Auslandsjahr in den USA genieße ich

Ich muss immer daran denken, dass ich solche typischen amerikanischen Sachen vielleicht das letzte Mal in meinem Leben mache und deswegen genieße ich alles umso mehr. Ich habe auch sehr viel Spaß dabei Freitagsabends mit Freunden zum Football-Spiel unserer Nachbarschule zu gehen, ins Kino zu gehen, oder auch in einer amerikanischen Mall einzukaufen. Einmal war ich auch schon in Los Angeles, da die Stadt nur 40 Minuten mit dem Auto entfernt ist. Es ist schon so alltäglich geworden hier zu leben, dass es sich manchmal schon völlig normal anfühlt hier zu sein.

Ich denke die letzten Monate waren die aufregendsten meines Lebens und auch wenn nicht immer alles so läuft wie ich es mir wünsche, genieße ich jede Sekunde und bereue keinen Augenblick, den das alles ist Teil von meinem großen Abenteuer!

Bis bald Eure Navina

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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