Schüleraustausch USA – Leben in einer Familie bei Los Angeles

Antonia: Meine Gastfamilie ist groß und bunt, das Leben in Amerika ist entspannt

Antonia vor ihrer Schule

Erfahrungsbericht von Antonia aus Nordrhein-Westfalen, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in den USA verbracht hat (Teil 2 nach sechs Monaten)

Mein zuhause in Kalifornien in der Nähe zu Los Angeles

Da ich mein Auslandsjahr ja in den USA verbringe, erzähle ich Euch jetzt erst mal etwas über Amerika. Die USA ist ein riesiges Land mit 50 Staaten und einer Fläche von 9.826.675 km². Ich wohne in Colton, Kalifornien. Colton liegt mit 52.154 Einwohnern im Süden von Kalifornien und ist eine Stunde östlich von Los Angeles entfernt im San Bernardino County.

Obwohl ich in Colton wohne, gehe ich auf die High School in Rialto, da wir an der Grenze zu Rialto wohnen. Hier leben mehr Leute mit lateinamerikanischer und afroamerikanischer Abstammung als Weiße. Colton ist eine sehr alte Stadt und deswegen sehen einige Häuser schon ziemlich runtergekommen aus. Rialto ist dagegen ein bisschen moderner und wir sind auch öfters dort, als in Colton.

Meine Gastfamilie: Mama, Papa, Sohn, Enkel, Neffe, Gastschwester und ein Hund

Meine Gastfamilie besteht aus meiner Gastmama, meinem Gastpapa, deren Sohn, der aber schon 45 ist und ja, er lebt immer noch zu Hause, und deren Enkelkind, das zu Hause nicht mehr so gut klar gekommen ist und dann einfach zu uns gezogen ist. Oft ist dann auch noch sein kleiner vierjähriger Neffe da. Er kann richtig lieb und süß sein, aber manchmal geht er mir schon ganz schön auf die Nerven. Er kann echt wild werden und springt dann gerne mal auf uns herum oder steht heulend um 5 Uhr morgens vor unserer Tür, will uns dann nicht zur Schule lassen und blockiert das Badezimmer. Ich hab ihn wirklich gern, aber manchmal ist das echt zu viel. Vielleicht bin ich das auch einfach nicht gewöhnt, da ich ja in Deutschland ein Einzelkind bin.

Meine Gastschwester France und ich helfen auch im Haushalt: und zwar waschen wir meistens das Geschirr ab, helfen beim Kochen oder Saugen und natürlich müssen wir unser Zimmer ordentlich halten und das Badezimmer regelmäßig putzen.

Meine Schule in den USA - viel Sport, Cheerleading und School-Spirit

Die Schule gefällt mir hier eigentlich ganz gut, nur manchmal finde ich es ein bisschen langweilig, dass wir jeden Tag den gleichen Stundenplan haben, denn das wird auf Dauer ein bisschen eintönig. Man muss hier immer den Klassenraum wechseln und trifft in jedem Kurs auf neue Leute, was ich echt cool finde, da man dann mehr Leute kennenlernen kann und so leichter Freunde findet. Die Lehrer hier sind auch alle relativ locker und gestalten den Unterricht nicht so langweilig. Natürlich hängt das auch vom Lehrer ab, aber die meisten hier sind sehr offen und freundlich. Letztens hat mich mein US-History-Lehrer gefragt, ob ich meiner Klasse etwas über das deutsche Schulsystem erzählen könnte und die Schüler waren richtig interessiert. Sie waren erstaunt, als ich ihnen erzählt habe, dass es an meiner Schule keine richtigen Sportteams gibt und wir so gut wie keinen Schul-Spirit haben.

Jetzt habe ich auch mit Cheerleading angefangen und eigentlich wollte ich das schon am Anfang machen, aber da mir gesagt wurde, dass das nicht gehen würde, habe ich erst mal Cross Country gemacht. Dann habe ich zwei Cheerleader kennengelernt und die meinten, dass ich ja einfach mal zum Training kommen könnte und die würden das dann mit dem Coach klarmachen.

Ich habe mich dann so gefreut, als es geklappt hat und ich ein Cheerleader sein konnte. Anfang Januar war dann mein erstes Basketballspiel, bei dem wir unser Team angefeuert haben, und es hat echt viel Spaß gemacht. Leider unterstützt mich meine Gastfamilie nicht so wirklich, da sie der Meinung ist, weil ich kein richtiges Try-Out machen musste, wäre das nicht in Ordnung. Da die Try-Outs aber schon im April letzten Jahres waren, war es ja unmöglich für mich daran teilzunehmen. Ich habe meinen Gasteltern dann versucht zu erklären, dass das schon immer ein Traum von mir gewesen ist, aber letztendlich reagieren sie immer genervt, wenn ich davon erzähle. Jetzt wollen meine Gastschwester und ich wahrscheinlich noch anfangen ins Fitnessstudio zu gehen, um ein bisschen Sport zu treiben.

Kalifornien – das ist Schüleraustausch bei allerbestem Wetter

Da ich ja in Kalifornien bin, ist das Wetter eigentlich immer relativ gut, sogar im Winter. Bis jetzt habe ich nur eine Woche erlebt, die wirklich kalt war und das war, als wir in den Bergen campen waren. Wir hatten Minusgrade. Im Januar war es aber immer so um die 20 Grad, im Februar um die 25. Alle hier sagen mir immer, wie gerne sie in Deutschland wohnen wollen, nachdem ich ihnen erzählt habe, dass es in Deutschland viel schlechtes Wetter gibt. Das ist für mich echt schwer zu verstehen, weil man ja eigentlich denkt, dass jeder super Wetter liebt.

Aber auf der anderen Seite kann ich die Leute hier auch verstehen, denn wenn es jeden Tag so heiß ist, im Sommer sind es meistens 40 Grad, möchte man auch mal ein bisschen Abkühlung haben. Jetzt, da ich hier bereits über 6 Monate gelebt habe, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, später mal ganz hier zu leben oder hier auf eine Uni zu gehen.

Unterschiede zwischen USA und zuhause zeigen: Deutschland hat auch gute Seiten

Früher fand ich Deutschland immer total langweilig und fand, dass man dort sowieso nichts Tolles machen kann. Jetzt, wo ich hier bin, merke ich erst mal, wie gut ich es doch in Deutschland hatte und wie viel ich doch immer unternommen habe. Ich möchte damit nicht sagen, dass ich hier nichts unternehme, aber hier ist es halt auch oft so, dass ich meine Wochenenden einfach nur zu Hause verbringe und nicht wirklich was mache. Ich bin aber eher der Mensch, der gerne viel unternimmt und auch mal aus dem Haus möchte. Hier geht es halt nicht, dass man einfach mal mit dem Bus in die Stadt bzw. zur Mall fährt oder sich einfach mal spontan verabredet.

Meine Gastfamilie möchte immer einen genauen Plan haben von dem, was ich mache. Das heißt, ich muss sie am besten ein paar Tage vorher fragen, ob ich mich z.B. mit einer Freundin treffen kann, um wie viel Uhr wir uns treffen und wie lange das Ganze gehen soll und dann fragen sie mich noch, wie ich da hinkommen würde. Den Bus kann ich nicht nehmen, weil sie mir immer sagen, dass sie mir vorher alles genau zeigen müssen und das machen sie dann nie.

Ich vermisse es einfach mal spontan in den Bus zu steigen und mit ein paar Freunden in die Stadt zu fahren und dort den Tag zu verbringen. Aber uns wurde ja schon vorher gesagt, dass hier alles ein bisschen strenger genommen wird. Vielleicht liegt das auch ein bisschen an meiner Gastfamilie, da meine Gastmama bei meiner Partnerorganisation arbeitet. Ich darf auch nicht mal gerade allein zum Supermarkt laufen, um eine Kleinigkeit zu besorgen. Ich muss immer meine Gastschwester fragen, ob sie mit mir geht, aber die hat meistens keine Lust und ist sowieso eher der Zuhause-bleiben-Typ.

Wenn ich mal was mit Freunden unternehmen möchte, gehen wir meistens campen und ich möchte halt auch nicht immer die einzige sein, die fragt, ob sie was mit Freunden machen kann, weil meine Gastschwester nie was mit Freunden machen möchte. Naja, ich will mich aber nicht beschweren, weil es mir sonst eigentlich gut geht. In der Schule komme ich echt gut klar, die Kurse sind alle relativ einfach.

Wenn ich jetzt noch mal mit meinem Auslandsjahr starten könnte, würde ich allerdings ein paar Dinge anders machen. Ich würde am Anfang des Schuljahres schon die Kurse für das zweite Halbjahr aussuchen. Hier gibt es nämlich so coole Fächer wie Family Dynamics, bei dem man eine dieser Babys bekommt und sich dann um das kümmern muss. Ich hätte das total gerne gemacht, aber leider war der Kurs nach dem ersten Halbjahr schon voll. Dann hätte ich lieber mehr AP Klassen wählen sollen. AP steht für advanced placement und das sind CollegeKurse und ich würde sagen, der Unterricht ist vergleichbar mit dem Schwierigkeitsgrad in Deutschland.

Ich habe AP French, aber leider bei der falschen Lehrerin, weil sie einfach nie unterrichtet. Wir müssen einfach nur Hausaufgaben machen oder können am Computer was machen. Einmal in der Woche möchte sie jetzt aber Französisch unterrichten und letztens haben wir dann gelernt wie wir unser Zimmer auf Französisch beschreiben. Das haben wir schon in der sechsten Klasse gelernt. Anschließend haben wir noch ein bisschen darüber geredet, was in Paris passiert ist und dann meinte sie, dass wir in Europa keine Meinungsfreiheit hätten und dass wir verhaftet werden, wenn wir unsere Meinung sagen würden. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Anfang Februar habe ich dann noch den CAHSEE Test geschrieben, den man bestehen muss um hier, in Kalifornien, seinen Abschluss zu bekommen.

Es gibt einen englischen Teil und einen in Mathe und man braucht mindestens 350 von 450 Punkten um zu bestehen. Ich fand die Tests echt einfach und absolut nicht vergleichbar mit dem Abitur. Wir hatten für jeden Test an zwei Tagen jeweils vier Stunden Zeit, aber man konnte ihn schon in einer Stunde schaffen. Meine Winterferien waren eigentlich echt cool. In der ersten Woche haben wir nicht wirklich viel gemacht und nur das Haus aufgeräumt. An Heiligabend waren wir in Downtown Disney, das wie eine kleine Stadt ist, direkt neben dem Disneyland. Abends haben wir dann noch Weihnachtskekse gebacken. Wir sind auch relativ früh ins Bett gegangen, da wir ja am nächsten Morgen fit sein wollten für Santa Claus.

In Amerika habe ich das Deutsche Weihnachten vermisst

Es war schön hier Weihnachten zu feiern, aber ich habe auch alles in Deutschland vermisst. Ich habe das kalte Wetter, den Weihnachtsmarkt und sogar die Kirche an Weihnachten vermisst. Es fühlte sich einfach nicht richtig weihnachtlich an, mit der Sonne, die draußen geschienen hat. Neben meiner Familie und meinen Freunden natürlich, vermisse ich auch so dumme Dinge wie unsere Spül- und Waschmaschine. Wir müssen nämlich immer die Teller vorher waschen und danach kommen sie erst in die Spülmaschine und die Waschmaschine macht Flecken in unsere Kleidung.

Hier ist es auch wirklich so, dass sich an jeder Ecke ein FastFood Restaurant befindet, was ich echt ein bisschen übertrieben finde. Ich meine, ich muss nur die Straße überqueren und dann ist dort ein Burger-Restaurant, Subway und ein Pizza-Restaurant. Es ist aber auch normal, dass wenn man mal zu faul zum Kochen ist, einfach dort hingeht und Essen holt. Ich war bisher nur in einem “richtigen” Restaurant, so wie wir es in Deutschland kennen. Aber was ich hier richtig cool finde ist, dass man immer Wasser umsonst bekommt. Man kann sogar in ein Restaurant gehen, ohne etwas zu essen und man kann einfach nach Wasser fragen und bekommt welches. Und man kann sein Getränk zum Essen immer nachfüllen lassen, egal in welches Restaurant man geht.

Zusammengefasst würde ich sagen, dass ich jetzt an dem Zeitpunkt angekommen bin, bei dem ich mich schon wieder richtig auf Deutschland freue. Ich freue mich schon so, meine Familie und Freunde wiederzusehen.

In meinem nächsten Blog werde ich mein Austauschjahr für Euch zusammen fassen

Eure Antonia

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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