Schüleraustausch USA in Florida: Erfahrungen mit Freundschaften, Schule, Gastfamilie und Stipendium

Erfahrungen unseres Stipendiaten Lennart

Erfahrungsbericht von Lennart aus Niedersachsen, der sein Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Florida verbracht hat. Teil 3 zum Ende seines Schüleraustausches

Die Menge an Erfahrungen, die man während des Austauschjahres macht, ist überwältigend

Als Austauschschüler wurde ich in den USA freundlich und interessiert aufgenommen

Überraschend gut war das Interesse der Leute in meinem Gastland. Mit dem Status „Austauschschüler“ ist es relativ einfach viele Leute kennenzulernen, solange man es klarstellt. Mein Gastbruder gab mir den Tipp, mich zuerst mit meinem Heimatland und dann mit meinem Namen vorzustellen. Das kann ich jedem nur empfehlen. Als Austauschschüler nimmt der eigene Bekanntheitsgrad um einiges zu. An meiner Schule waren etwa zweitausend Schüler und gut mit der Hälfte habe ich zumindest einmal gesprochen.

Schüleraustausch - das sind Erfahrungen, Spaß und Freundschaften für mein weiteres Leben

Die Menge an Erfahrungen, die man während des Jahres macht, ist überwältigend. Es ist definitiv ein ganz besonderes Jahr. Gegen Ende bekam ich deutlich mehr Freiheiten und war erlaubt mit der Organisation eine Woche nach New York zu fliegen und alleine mit Freunden ein Musikfestival zu besuchen, welches mehrere Tage lang war. Ich hatte allgemein mehr Spaß, als erwartet. Nach einiger Zeit hatte ich das Gefühl, echte Freunde gefunden zu haben, mit denen ich auch später noch im Kontakt stehen werde.

Meine Schule in den USA: High School mit großen Qualitätsunterschieden

Meine Schule war in einem eher ärmlicheren Stadtteil gelegen und hatte in den regulären Klassen, außerhalb des IB Programms, einen eher sehr niedrigen Bildungsstandard. Die finanzielle Unterstützung scheint zu fehlen, weshalb alles sehr alt und renovierungsbedürftig ausschaut, z.B. bröckelt der Putz von den Wänden, die Klimaanlage setzt aus, Ameisen hausen in den Wänden. Für mich war die Schule zudem noch ziemlich weit entfernt.

Der einzige Grund für mich und meinen Austauschbruder auf diese baufällige Schule zu gehen, war das IB Programm. IB steht für International Baccalaureate und ist ein international anerkannter Schulabschluss, der ein etwas anspruchsvolleres Curriculum beinhaltet. Da ich bloß für ein Jahr in den USA blieb, versagte mir meine Schule allerdings, IB Klassen meiner Altersstufe zu wählen.

Stattdessen wählte ich einen bunten Mix aus regulären Klassen und Klassen mit IB Schülern aus dem 10. Jahrgang. Das ersparte mir auf der einen Seite einige Stunden an Hausaufgaben, auf der anderen Seite lernte ich nicht viel Neues und bloß mein Psychologie-Kurs sowie mein Englisch-Kurs waren wirklich interessant. Unerwartet hat diese Schule es im Jahre 2014 wegen des Programms in die Top Ten der besten Schulen in den Vereinigten Staaten geschafft.

Warum ich in den USA mit dem Kochen angefangen habe

Mir persönlich schmeckte das amerikanische Essen nicht so gut, da es tatsächlich eine Menge Fast-Food gab. Fast-Food-Restaurants stehen an jeder Ecke. Selbst die Schulkantine wurde beliefert von einer Fast-Food-Kette. Das Problem war jedoch einfach gelöst, indem ich anfing selbst zu kochen.

Schüleraustausch in den USA ohne Bus und Bahn war anstrengend

Eine der wenigen Dinge, die mir nicht so gut gefielen, war meine Abhängigkeit in Sachen Transport. Wenn ich zur Schule, zum Haus eines Freundes oder einfach nur ins Fitnessstudio wollte, war ich auf meine Austauscheltern angewiesen. Es gibt keinen Bus- oder Zugverkehr in der Gegend und Fahrradwege gibt es auch keine. Da ich keinen Führerschein besitze, musste ich immer darauf hoffen, dass mich jemand fahren könnte. Und da ich relativ weit entfernt von meinen Freunden wohnte, konnte ich nur selten abgeholt werden.

Ich habe mich in den USA persönlich weiter entwickelt

Durch den Austausch bin ich vor allem eines geworden: selbstständiger. Mal von dem Transport abgesehen, war ich in der Regel auf mich alleine angewiesen. Zum Beispiel kochte ich jeden Tag für mich selbst. Ich kaufte selbstständig ein und bereitete zu, was mir schmeckte. Wegen meiner neu gewonnenen Selbstständigkeit wurde ich auch anderen Dingen mehr bewusst, z.B. Stress- und Zeitmanagement. Ich musste mich häufiger fragen wann ich wie, wo und was erledigen möchte, um ohne Stress ans Ziel zu gelangen. Die Anwendungen sind eher trivial: beispielsweise wann ich meine Schultasche bestmöglich packe oder wann ich aufstehe, um zu kochen.

Wichtiger scheint dabei das neue Selbstbewusstsein. Wenn man Aufgaben alleine zu erledigen hat, wird man sich der eigenen Fähigkeiten mehr bewusst. Das gibt einem ein Gefühl der Selbstsicherheit, die vor Allem im sozialen Leben praktisch ist. Es fällt mir nun sehr viel einfacher mit neuen Leuten Kontakt aufzunehmen. All die genannten Charaktereigenschaften werden sich auch weiterhin als nützlich erweisen.

Meine wichtigsten Helfer und Ansprechpartner für den Schüleraustausch

Hauptsächlich beteiligt an dem Austauschjahr waren meine Austauschfamilie sowie die Schule, die ich besuchte. Zu Anfang jedoch musste ich mich mit der Schule in Deutschland, deutschen sowie amerikanischen Behörden und der deutschen sowie amerikanischen Organisation auseinandersetzen, Arzttermine und Impfungen einholen, usw. Doch sobald ich in Amerika ankam, stand ich nur noch in Kontakt mit meiner amerikanischen Schule, meiner Gastfamilie sowie meinen Eltern.

Freunde finden ist in den USA leicht, wenn man sich etwas Mühe gibt

Am allerwichtigsten ist es, sozial zu bleiben. Im ersten Monat bekam ich das Gefühl, ich hätte einen Haufen neuer Freunde gefunden, da so viele Leute interessiert an mir waren. Doch bloß die Leute, die tatsächlich interessiert bleiben, stellen sich am Ende als Freunde heraus. Und wenn ein Haufen Leute das Interesse verliert und man beginnt zu verstehen, dass man auch die langjährigen Freunde in Deutschland für eine Weile nicht wiedersehen wird, kann man sich ganz schön alleine fühlen. Die einzige Abhilfe ist sozialer Kontakt. Daher sollte man immer versuchen mit Leuten zu sprechen und selbstständig Konversationen mit Leuten anzufangen. Außerdem sollte man nicht zu viel mit Leuten aus dem Heimatland skypen, denn die Zeit geht von der Zeit mit den amerikanischen Freunden ab und man macht das Heimweh nur schlimmer. Zum Sozial-sein gehört noch einiges mehr. Man sollte sich immer sehr klar und deutlich vorstellen.

Für mich persönlich war es sehr hilfreich ältere Freunde zu haben, die ein Auto besitzen. Das klingt erstmal nach keinem guten Kriterium, jedoch war ich dadurch um einiges mobiler und konnte interessantere Dinge unternehmen, z.B. regelmäßig zum Strand gehen.

Wie man in den USA in der Schule viel lernen kann

Es ist sehr zu empfehlen, die Schule ein wenig ernster zu nehmen, als es die meisten Austauschschüler tun. Die härteren Klassen sind meist interessanter und nebenbei lernt man Englisch sehr viel schneller. Ich wählte den schwersten Englischkurs, den meine Schule für meinen Jahrgang anbot und hatte keine Probleme mitzukommen. Am Anfang mag es etwas anstrengend sein, doch zahlt es sich aus.

Die Leistungen meiner Austausch-Organisation waren sehr unterschiedlich

Über die Austausch-Organisation gibt es nicht viel zu sagen. Die Organisation leistete Großes bei der Familiensuche, jedoch zeigte sie während des Jahres kaum Leistung. Trotz Versprechungen wurde kaum etwas unternommen. Außerdem erkundigte sich mein Koordinator nie bei mir und die geplanten monatlichen Gespräche blieben ebenfalls aus. Das tat mir keinen Schaden, da ich sehr zufrieden bin mit meiner Austauschfamilie bin. Jedoch weiß ich von anderen Austauschschülern, die dies sehr störte.

Mein Austausch-Stipendium von der Deutschen Stiftung Völkerverständigung

Ich erfuhr bei einer Infoveranstaltung über Austausch-Organisationen von dem Stipendium und hatte seither nur gute Erfahrungen. Eine Bewerbung zu schreiben ist nicht schwer und die Arbeit ist schon erledigt durch die Freiwilligenarbeit. Die Berichte waren interessant zu schreiben, da es sich um eigene Erfahrungen handelt, daher war das auch nicht schlimm.

Die Betreuung war gefühlt besser als die der Austausch-Organisation, da sich die Stiftung regelmäßig meldete. Ganz zu schweigen von der Betreuung vor dem Auslandsjahr. Die Stipendiaten wurden zu einem Treffen eingeladen. Fotos finden sich ohnehin und bereiten daher auch keinen großen Umstand. Selbst als ich meinen Bericht mal ein wenig zu spät abgab, war das kein Problem. Die Stiftung erlaubt einem wirklich den Spaß und gibt genügend Zeit für die Berichte. Das war auffällig gut! Eine großartige Gelegenheit für alle, die Freiwilligenarbeit geleistet haben und ein Austauschjahr planen!

Euer Lennart

Wer mehr wissen will: Demnächst werde ich persönlich auf einer Auf in die Welt-Messe im Norden über meine Erfahrungen berichten. Die Orte und Termine findet Ihr hier: http://www.aufindiewelt.de/messen

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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