Schüleraustausch USA: Englisch lernen, Freunde finden und das Stipendium

Dennis: Mein USA-Jahr war ganz anders als erwartet

Erfahrungsbericht von Dennis aus Niedersachsen, der sein Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium im Westen der USA verbracht hat. Teil 3 zum Ende ihres Schüleraustausches

Die Sprache war für mich kein Problem

Für mich war es sehr überraschend, dass die Sprache eines der kleinsten Probleme ist. Ich gehörte nie zu den Leuten, die sehr gut in Englisch waren und hatte auch bei dem einen oder anderen Lehrer sehr um meine Noten zu fürchten. Ich hatte mir sehr viele Gedanken darüber gemacht was passiert, wenn ich in die USA komme und gar nichts verstehe oder mich mit Niemandem unterhalten kann. Diese Gedanken hatten sich jedoch sehr schnell als unnötig herausgestellt.

Die Amerikaner sind auf die Austauschschüler neugierig

Die meisten Leute sind am Anfang sehr interessiert und hören dir gerne etwas genauer zu wenn du sprichst und helfen dir bei der richtigen Wortwahl, selbst wenn man vielleicht noch nicht die tiefgründigsten Gespräche führt, kommt man auf jeden Fall im Alltag zurecht. Ich musste zum Beispiel in Amerika noch einmal zum Arzt, bevor die Schule angefangen hat und mein Englisch war wirklich nicht das Beste. Ich habe es dann geschafft, den Termin mit der einen oder anderen Peinlichkeit zu überstehen.

Was für mich persönlich gut war bzw. Immer noch ist, ist dass ich eine sehr große Popularität habe. Das ist keine selbstverliebte Einschätzung: Es ist tatsächlich als Austauschschüler einfacher als für andere Schuler bekannt zu werden. Man ist "anders", Leute reden über einen und Leute wollen mit dir reden.

Wenn man dann offen ist und sich nicht ganz zurück zieht ist es einfach viele neue Freunde zu finden. Ich hatte es sogar geschafft Prom Prinz zu werden (zuerst wählen alle 12 Klässler 5 Jungs und 5 Mädchen (Prom Prinzen und Prom Prinzessinnen) welche dann zur Auswahl stehen für Prom König und Königin). Diese Bekanntheit vergeht natürlich, aber man schließt sehr viele neue Freundschaften und lernt viel über das Leben der Amerikaner. Ich werde mein bestes geben, um mit möglichst vielen Leuten in Kontakt zu bleiben.

Der Wechsel der Gastfamilie war für mich wichtig

Weniger gut war für mich meine Situation in meiner ersten Gastfamilie. Ich hatte das Dilemma, dass es eigentlich recht gut lief mit meinen beiden Gasteltern. Es war jetzt nicht so, dass wir immer was gemacht haben oder dass immer gute Laune im Haus war aber wir hatten uns grundsätzlich gut verstanden und ich hatte keinen Grund gesehen zu wechseln, da ja eigentlich alles gut lief. Das Problem was ich hatte, waren mehrere kleine Sachen und am Ende auch größere und diese Probleme, auch gerade die kleinen, nehmen sehr schnell viel Spaß aus einem Auslandsjahr heraus. Die meiste Zeit meiner letzten neun Monate waren gut jedoch kann ich nur den Tipp geben für alle die ins Ausland gehen die Gastfamilie zu wechseln wenn man sich wirklich nicht wohlfühlt. Und es lohnt sich auch noch einen Monat bevor man nach Hause fliegt zu wechseln!

Offenheit hilft beim Kennenlernen von Menschen

In meinem Austauschjahr habe ich definitiv gelernt, dass es hilft offen zu sein. Ich bin generell eine sehr gesprächige und offene Person, jedoch habe ich sehr gemerkt, dass es viel mehr Spaß macht wenn man mit Leuten redet, egal ob man gerade keine Lust hat oder Fernsehen gucken möchte. Fernsehen gibt es auch in Deutschland und man lernt mehr Leute kennen, wenn man sich gesprächsbereit zeigt - man lernt außerdem auch mehr.

Mir hat es sehr geholfen, immer positiv auf das Jahr zuschauen

Am Anfang war es oft sehr langweilig, da ich nicht so viele Leute kannte und oft alleine zuhause rumsaß. Ich habe mir jedoch jeden Tag vorgenommen zu versuchen dies zu ändern und es hat sich dann auch geändert. Ich kann jedem empfehlen an einem Sport oder Club teilzunehmen, denn es hilft sehr, da man viel mit Leuten unterwegs ist.

Man sollte sich auch sehr darauf einstellen, dass man sehr abhängig von den Gasteltern ist. Da diese entscheiden was du darfst, wo du hingehen kannst, mit wem du was machen kannst und wann du was mit Freunden machen kannst. Diesen Regeln zu widersprechen hat leider recht wenig Sinn, da die Gasteltern meistens nicht nachgeben werden und es bringt nur unnötigen Streit in die Familie und für mich ist es eine der unangenehmsten Situationen hier wenn ich im Streit mit meinen Gasteltern bin/war. Also einfach Regeln befolgen und wenn ihr euch wirklich nicht wohlfühlt kontaktiert euren Betreuer.

Wie ich auch schon am Anfang erklärt hatte, es hilft sehr viel wenn man offen zu anderen Leuten ist und sich immer gesprächsbereit zeigt. Wenn man nicht auf die Leute zugeht, dann werden diese auch nicht auf dich zugehen. Und selbst wenn ihr das Gefühl habt ihr nervt wenn ihr ständig fragt, ob man was zusammen machen möchte, denk daran ihr seid nur für 10 oder 5 Monate hier und ihr habt viel Geld bezahlt. Ihr habt nichts zu verlieren!

Die Betreuung durch meine Austauschorganisation in den USA

Meine Austauschorganisation in den USA (CHI) hat sich aus dem normalen Leben raus gehalten. Ich fand das gut, da man ja wie ein richtiger amerikanischer Schüler leben soll und nicht 24/7 von einer Organisation überwacht werden soll.

Meine Austauschorganisation veranstaltete jeden Monat eine Gruppenaktivität, welche aber nicht verpflichtend ist. Ich bin z.B. mit meiner Austauschschülergruppe zu einem Eishockey-Spiel gegangen oder zu einem Jumphouse.

Allerdings hätte ich von meiner Organisation etwas mehr Unterstützung erwartet als ich eine Unterkunft für 5 Tage gesucht habe: Meine Gasteltern mussten kurzfristig nach Indiana zu einer Beerdigung fliegen und ich bin zuhause geblieben. Ich musste mir alleine eine Unterkunft suchen und die einzige Option, die von meiner Organisation kam war, dass ich zu meinem APA, dem Vorgesetzten meines örtlichen Betreuers, gehe. Aber dann hätte ich drei Tage in der Schule gefehlt.

Mein Taschengeld-Stipendium

Meine Eltern hatten mich dazu gebracht, mich um ein Stipendium zu bewerben. Das Problem mit vielen Stipendien-Angeboten war, dass diese nur für Leute mit nicht genügend Geld waren oder sehr viele Anforderungen hatten. Viele andere Stipendien verlangen einen monatlichen Bericht oder sie verlangen einen sehr umfangreichen Bewerbungsprozess.

Meine Mutter wurde dann auf das Taschengeldstipendium der Deutschen Stiftung Völkerverständigung aufmerksam und ich hatte mich beworben. Ich persönlich finde dieses Stipendium sehr wichtig, da es Leute, welche ehrenamtlich arbeiten, belohnt und motiviert noch mehr zu tun.

Das Stipendium ermöglichte mir außerdem noch eine extra Reisenach Hawaii. Die Betreuung durch die Stiftung gefällt mir auch recht gut, man muss sich nicht zu sehr darum Sorgen machen, jeden Monat einen Bericht zu schreiben und wenn man einen Bericht schreiben muss bekommt man genügend Zeit dies zu tun. Auch das Treffen mit den anderen Stipendiaten/Stipendiatinnen war sehr interessant.

Mein Schüleraustausch in die USA: Rückblick und Ausblick

Auch wenn die ersten Monate sehr anstrengend waren und sich sehr von dem unterschieden, was ich mir vorgestellt hatte, war es am Ende ein sehr aufregendes und gutes Jahr. Ich kann nicht sagen, dass es das beste Jahr meines Lebens war, da man es nicht wirklich mit dem "normalen" Leben in Deutschland vergleichen kann. Es hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

Ich freue mich schon darauf, alle meine Freunde und Familie in Deutschland wieder zu sehen. Ich bin aber auch etwas traurig alle meine neuen Freunde in den USA für eine wahrscheinlich sehr lange Zeit nicht mehr zu sehen.

Euer Dennis

Wer mehr wissen will: Demnächst werde ich persönlich auf einer Auf in die Welt-Messe für Schüleraustausch im Norden über meine Erfahrungen berichten. Die Orte und Termine findet Ihr hier: http://www.aufindiewelt.de/messen

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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