Schüleraustausch Kanada: Steffen hat sich in Ontario eingelebt

Until you spread your wings, you'll have no idea how far you can fly

Gruppenfoto von Steffen und Seinen Freunden
Steffen mit seinem Schüleraustausch-Stipendium

Steffen aus Niedersachsen verbringt sein Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Ontario. Er berichtet hier über seine Erfahrungen.

Warum ich für das Auslandsjahr nach Kanada gegangen bin

Die Erzählungen einer Freundin meiner Schwester über ihren Aufenthalt in Kanada haben mich auf einen Auslandsaufenthalt neugierig gemacht. Gibt es wirklich so viele spannende Fächer und ist der Unterricht wirklich so praxisbezogen, wie beschrieben? Außerdem wollte ich gern neue Leute kennenlernen, Freundschaften knüpfen mehr über andere Kulturen erfahren, neue Orte entdecken und natürlich wollte ich auch meine Sprachkenntnisse verbessern. Dies waren Anreize für mich ins Ausland zu gehen. Für mich war von Anfang an klar: ich möchte in ein englischsprachiges Land reisen. Dabei habe ich mich gefragt, wo will ich hin: England, Irland, USA, Kanada, Neuseeland oder doch Australien? Nach einigen Recherchen habe ich mich schlussendlich für Kanada entschieden. Zum einen hatte ich bisher nur Positives über die freundliche und aufgeschlossene Art der Kanadier gehört. Das kann ich nach sechs Wochen hier nur bestätigen. Zum anderen haben mich die atemberaubenden Fotos von der Natur Kanadas mitgerissen.

Die Suche nach der Austauschorganisation

Der nächste Schritt war es für mich und meine Familie, die richtige Organisation für meinen Auslandsaufenthalt zu finden. Im Mai 2016 habe ich daher die Austauschmesse in Hamburg besucht. Einige Austauschorganisation hatten dort Stände, um ihre Angebote vorzustellen. Von einer Austauschschülerin habe ich dort auch von dem Taschengeldstipendium der Deutschen Stiftung Völkerverständigung erfahren. Die nächsten Wochen habe ich dann damit zugebracht die Leistungen der Organisationen zu vergleichen. Nach Bewerbungsgesprächen mit drei Organisationen haben meine Eltern und ich uns schließlich entschieden.

Das Bewerbungsverfahren für den Schüleraustausch

Dann ging es los mit dem ganzen Bewerbungsverfahren. Per Post haben wir einen Stapel voll Unterlagen bekommen, die ausgefüllt werden mussten. Das hat einige Zeit in Anspruch genommen. Diese Unterlagen wurden dann nach Kanada geschickt. Dann habe ich eine ganze Zeit lang nichts von meiner Austauschorganisation gehört. Im Mai konnten wir dann das Study Permit beantragen. Als ich die Bestätigung für das Study Permit bekommen habe, stand meinen Auslandsaufenthalt nichts mehr im Weg.

Warten auf meine Gastfamilie in Kanada

Nun musste ich nur noch darauf warten, Informationen über meine Gastfamilie zu bekommen. In den Sommerferien habe ich den Briefkasten jeden Tag mindestens zweimal kontrolliert, voller Vorfreude endlich von meiner Gastfamilie zu hören und war überglücklich als endlich ein Brief angekommen ist. Ich habe meiner Gastfamilie auch sofort eine E-Mail geschrieben. Der Kontakt mit meiner Gastfamilie vor meiner Anreise hat sich (leider) auf ein paar E-Mails beschränkt. Dafür war ich aber noch gespannter meine Gastfamilie endlich kennenzulernen.

Letzte Vorbereitungen und mein Flug zum Schüleraustausch Kanada nach Toronto

Vor meinem Abflug habe ich mir noch einige Gedanken über Gastgeschenke gemacht, natürlich musste ich meinen Koffer packen und mich von Familie und Freunden verabschieden.

Am 28. August konnte es dann endlich losgehen. Meine Familie hat mich zum Flughafen in Hamburg gebracht und voller Vorfreude bin ich ins Flugzeug gestiegen. Es war schon ein komisches Gefühle Deutschland für zehn Monate zu verlassen. Der Flug war acht Stunden lang. Zum Glück hatte ich einen sehr netten kanadischen Sitznachbarn und außerdem konnte ich mich mit den vielen Filmen, Serien und Hörspielen an Bord gut beschäftigen, so dass die Zeit relativ schnell verging.

In Toronto angekommen, musste ich erstmal bei der Immigration Zone warten, um mein Study Permit ausgehändigt zu bekommen. Im August kommen besonders viele Studenten und Schüler nach Kanada, weshalb die Schlange besonders lang war. Mit meinem Study Permit in der Hand ging es dann weiter zur Gepäckausgabe und dann zum Ausgang. Durch das große Schild mit dem Schriftzug „Toronto“, habe ich realisiert, dass ich wirklich in Kanada angekommen bin.

Beginn des Auslandsjahres mit einer Woche zum Einleben in Kanada

Ich bin schließlich gut bei meiner Gastfamilie in Belleville angekommen und hatte erstmal eine Woche, um mich einzuleben bevor die Schule losging. Ich lebe hier mit meinem Gastvater Dan, seinen drei Söhnen und einem Hund. Ich verstehe mich gut mit allen, sogar mit dem Hund. Ich habe auch schon Dans Mutter und seine drei Brüder kennengelernt. An den ersten Tagen hat mir Dan die Stadt gezeigt. Mir gefällt es hier sehr gut. In nur 5 Minuten bin ich am See und der nächste Supermarkt ist nur zwei Straßen weiter. In der ersten Woche gab es außerdem eine Einführung für alle Austauschschüler in meinem Schuldistrikt. Dort konnte ich schon erste Kontakte mit anderen Austauschschülern meiner Schule knüpfen. und habe mich dadurch an meinem ersten Schultag etwas sicherer gefühlt, mit dem Wissen, dass andere Leute in derselben Situation sind wie ich.

Ein See in Ontario

Mein erster Schultag in Kanada war ziemlich chaotisch

Mein Schulbus nicht gekommen und mein Gastvater musste mich mit dem Auto zur Schule fahren. Und dann bin ich auch noch zu spät zur ersten Unterrichtsstunde gekommen. Das war für den ersten Tag schon sehr aufregend. Zum Glück hat der Lehrer für die Verspätung großes Verständnis und mir die erste Angst genommen.

 

 

Meine Schule und Schultag in Kanada

Der Schulcampus ist riesig und ohne die Hilfe von anderen Schülern hätte ich keinen meiner Räume gefunden. Nach einer Woche habe ich mich aber schon ziemlich gut in der Schule zurechtgefunden und auch schon guten Kontakt zu meinen Mitschülern bekommen.

Ich besuche hier die elfte Klasse der Bayside Secondary School. Die Schule hat ungefähr 900 Schüler, von der neunten bis zur zwölften Klasse und der Schulcampus ist riesig, der Größte Nordamerikas. Die Schule hat sogar einen eigenen See zum Kanufahren. Ich fahre jeden Morgen mit einem typisch amerikanischen, gelben Schulbus zur Schule.

Die Schule beginnt um 8:10 mit der Nationalhymne „Oh Canada“. Dazu stehen alle Schüler auf. Anschließend gibt es Durchsagen für den Tag: Wir werden über anstehende Veranstaltungen informiert, über die Ergebnisse der Sportteams auf dem Laufenden gehalten und Besonderheiten des Tages werden bekanntgegeben. Dann beginnt der Unterricht. Man hat jeden Tag die gleichen fünf Kurse, wobei jeder Kurs 60 Minuten lang ist. In der ersten Woche habe ich noch einige meiner Fächer gewechselt. Jetzt bin ich aber sehr zufrieden mit meinem Stundenplan. Mein erstes Fach ist Computer Studies. In diesem Kurs geht es hauptsächlich um die Grundlagen von Computern und ums Programmieren. Dazu verwenden wir die Programmiersprache Python. Mein nächster Kurs ist Drama, mein Lieblingsfach hier.

Im November fahren wir gemeinsam nach Toronto, um das Musical Grease anzuschauen. Darauf freue ich mich schon besonders.  In der dritten Stunde habe ich MSIP (Multi Subject Instructional Period). Dieses Fach gibt es nur an meiner Schule. In dieser Stunde hat man Zeit, um Hausaufgaben zu machen, Projekte zu beenden oder Lehrer um Hilfe zu bitten.

Danach ist meine Mittagspause. Die meisten Leute gehen dafür in die große Cafeteria der Schule. Da es keine Pausen zwischen den Unterrichtsstunden gibt, ist die Mittagspause die einzige Möglichkeit, Zeit mit seinen Freunden zu verbringen. Nach der Mittagspause habe ich Englisch. Der Kurs ist ziemlich anspruchsvoll, macht mir aber viel Spaß. Mein Englischlehrer hat eine mitreißende Art den Stoff zu vermitteln. Momentan lesen wir den Roman „Fifth Business“ und als nächstes behandeln wir Macbeth von Shakespeare. Mein letzter Kurs ist Kunst. Kunst ist sehr praxisorientiert und sehr entspannt. Dadurch, dass man in jedem Kurs mit anderen Leuten sitzt, ist es anfangs schwierig Freunde zu finden. Ich habe trotzdem schon einige sehr nette Leute kennengelernt, mit denen ich viel Zeit zusammen verbringe. Obwohl wir uns erst einen Monat kennen sind wir schon gute Freunde geworden.

Es gibt viele Möglichkeiten nach dem Unterricht, Zeit in der Schule zu verbringen. Es gibt einige Sportteams, Komitees und andere Arbeitsgemeinschaften, denen man beitreten kann. Das ist der beste Weg neue Leute kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen. Im Herbst gibt es hier die Sportarten Football, Fußball, Rugby, Cross Country und Basketball. Außerdem gibt es an meiner Schule den Student Council, Global Awareness und Athletic Council. Ursprünglich hatte ich geplant dem Volleyball Team der Schule beizutreten. Daraus wurde allerdings nichts, da dieses Jahr nicht genug Anmeldungen für ein Team zusammengekommen sind.

Dafür haben mich einige meiner Freunde dazu motiviert zu der Audition für das Improvteam zu gehen. Improv ist eine Art von Theater ohne Vorgaben oder Skript. Alle Szenen werden improvisiert und spontan entworfen. Man tritt in Teams, bestehend aus 8 Leuten gegeneinander an und eine Jury bewertet die Szenen. Ich bin ohne Schauspielerfahrungen zu der Audition gegangen und habe nicht erwartet überhaupt ins Team zu kommen. Es gab zwei Auswahlrunden und nach dem ersten Weiterkommen war ich sehr gespannt, ob ich die zweite Auswahl auch überstehe. Ich hatte  sehr viel Spaß, die Leute waren alle sehr nett und ich bin sehr froh, dass ich es schließlich ins Team geschafft habe. Wir treffen uns jeden Mittwoch nach der Schule und trainieren für einen Wettbewerb gegen andere Schulteams im März. Darüber hinaus wurde ich dazu überredet dem Student Council beizutreten. Jeden Montag nach der Schule ist ein Treffen. Wir haben bereits den ersten Schultanz unter dem Motto School Spirit auf die Beine gestellt. Für den Schultanz bin ich nach dem Unterricht in der Schule geblieben, um beim Aufbau zu helfen. Wir haben die Cafeteria für die Tanzfläche leergeräumt und die ganze Schule mit roten und schwarzen Luftballons geschmückt. Dann gab es für alle Helfer Pizza und um 19:30 hat die Veranstaltung begonnen. Um 22:30 haben wir dann abgebaut. Ich hatte sehr viel Spaß und der Tanz war ein voller Erfolg.

Außerdem haben wir den Terry Fox Run meiner Schule organisiert. Terry Fox wurde 1958 in Winnipeg, Kanada geboren. Im Alter von 18 Jahren wurde bei ihm Knochenkrebs diagnostizier und nur ein Jahr später wurde sein rechtes Bein amputiert und er bekam eine Prothese. Um Geld für die Krebsforschung zu sammeln und somit anderen Krebspatienten zu helfen, nahm er sich vor von der Westküste zur Ostküste Kanadas zu laufen, jeden Tag mindestens 42 Kilometer. Schon bald bekam er große Aufmerksamkeit in den Medien und die Spenden stiegen. Unglücklicherweise wurden auch seine Lungen von Krebs befallen und er musste nach 5.373 gelaufenen Kilometern aufgeben. Er starb mit 22 Jahren an dieser Krankheit. In Kanada ist Terry Fox ein Held. Um ihn zu ehren und Geld für die Krebsforschung zu sammeln veranstalten jedes Jahr öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Unis, Kindergärten etc. einen Spendenlauf.

Für alle Austauschschüler in meinem Schuldistrikt wird jeden Monat ein Ausflug organisiert

Diesen Monat waren wir im Hochseilgarten. Es hat  den ganzen Tag geregnet und es war ziemlich kalt, aber wir hatten trotzdem viel Spaß. In den nächsten Monaten steht ein Wochenendausflug zu den Niagarafällen und ein Besuch Torontos auf dem Plan. Ich bin schon ganz gespannt.

Die Betreuung vor Ort ist super. In Kanada ist der Schuldistrikt für die Austauschschüler zuständig. Jeden Donnerstag kommt ein Mitarbeiter der Schulbehörde zu meiner Schule, um uns über anstehende Ausflüge auf dem Laufenden zu halten. Außerdem haben wir die Möglichkeit Probleme oder Sorgen anzusprechen. Auch wenn ich bisher noch keine Probleme hatte, fühle mich hier gut aufgehoben.

Thanksgiving in Kanada

Anders als in den Vereinigten Staaten wird in Kanada Thanksgiving immer am zweiten Wochenende im Oktober gefeiert. Thanksgiving habe ich bei der Mutter von meinem Gastvater verbracht. Die ganze Familie war da, das heißt mein Gastvater mit zwei Söhnen seine beiden Brüder mit Partnerinnen und deren insgesamt sechs Kinder dazu noch zwei Hunde Es gab sooo viel zu essen. Den riesigen Truthahn hat die Mutter von meinem Gastvater zubereitet und jeder hat eine Beilage Kartoffelbrei, Hackbällchen, Gemüse, Salat, Kürbiskuchen, Apfelkuchen mitgebracht. 

Nach einem Monat habe ich mich richtig gut in Kanada eingelebt, komme in der Schule sehr gut zurecht, habe gute Freunde gefunden und genieße meinen Aufenthalt.

Viele Grüße und bis bald Euer Steffen

 

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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