Schüleraustausch Irland: Leben in zwei Kulturen, Heimweh, Stipendium

Der Abschied aus Irland war schlimmer als aus Deutschland

Erfahrungsbericht von Marieke aus Niedersachsen, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Irland verbracht hat. Teil 3 zum Ende ihres Schüleraustausches

Meine Rückkehr nach Deutschland: Leben in zwei Kulturen

Ich bin nun schon wieder ein paar Wochen wieder Zuhause und ich kann sagen, dass die Eingewöhnung in mein „altes Leben“ ziemlich schwer war. Irland erschien mir die ersten Tage immer noch als mein richtiges Zuhause und ich war in einem Zustand, den man nur schwer beschreiben kann.

Im Nachhinein würde ich immer wieder diese Reise und die damit verbundene Erfahrung empfehlen, aber jedem anderen raten, sich über die Konsequenzen und eben diese Zerrissenheit zwischen den zwei „Heimat“-Ländern und Kulturen klar zu werden.

Die Vorbereitung auf meinen Schüleraustausch in Irland

Es fing mit der Vorbereitungsphase an, in der man seine Gastfamilie bekommt, sich um jeglichen Papierkram kümmert, Sachen aussortiert und die Taschen für die große Reise packt. Das ist natürlich ziemlich aufregend, kann aber auch sehr stressig werden, wenn man sich nicht früh genug um alle Dinge kümmert. Für mich fing mein Auslandsjahr mit meiner einwöchigen Vorbereitungstagung an, welche von meiner Austausch-Organisation organisiert wurde. Dort wurde mir viel mit auf den Weg gegeben, von Tipps zur eigenen Problemlösung, bis hin zu Fehlern, die man vermeiden sollte. Ich habe auch während meiner Zeit in Irland oft an diese wertvollen Tage zurückgedacht, denn sie haben mir gut geholfen, mich auf mein Auslandsjahr vorzubereiten.

Vor der Reise nach Irland: mein Abschied aus Deutschland

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Abschied aus Deutschland zur ersten Phase oder schon zum zweiten Abschnitt zählen soll. Man ist aufgeregt, freut sich, dass es endlich losgeht, ist aber auch traurig, die Freunde und seine Familie zurück zu lassen.

Ich hatte die ersten paar Wochen ein wenig Heimweh

Ales war so neu und ungewohnt für mich. Ich war aber auch auf die Zeit in der Fremde gespannt. Wichtig für mich war, dass ich schnell versucht habe mich einzufügen. Egal ob ins Familienleben oder in die Schule – umso schneller man sich einen Alltag aufbaut, umso schneller vergisst man, dass man eigentlich sein Zuhause vermisst.

Meine Gastfamilie war in der Zeit besonders für mich da und auch andere Austauschschüler, die meine Situation nachvollziehen konnten, haben dazu beigetragen, dass der doch so schmerzliche Abschied in den Gedanken verblasst ist.

Nachdem die ersten Eindrücke gemacht und eine Art Alltag geschaffen war, beruhigte sich alles ein wenig. Das Heimweh war weniger geworden, man hatte Freunde gefunden und man fing an, sich Gedanken über Möglichkeiten, wie man noch mehr von seinem Austauschland sehen kann, zu machen. Hierbei tauchte das Problem auf, dass ich mir zu viel vorgenommen hatte, wovon ich letztendlich nur wenig verwirklichen konnte. Daher ein kleiner Tipp von mir: Macht euch einen Plan mit Dingen, die ihr gerne unternehmen würdet und ordnet diese nach Wichtigkeit. So vergisst man nichts.

Die Rückkehr aus Irland nach Deutschland

Die nächste und damit schon vorletzte Phase ist die Verabschiedung. Bei mir kam diese Phase ziemlich plötzlich, denn ich habe mir nie einen Kopf über die verbleibenden Tage gemacht. Das war einer der Gründe, warum ich zu dem Zeitpunkt ziemlich gestresst war. Ich musste Pakete nach Hause verschicken, Klamotten aussortieren, Koffer packen und mein Zimmer aufräumen.

Gleichzeitig kamen bei mir noch die Examen dazu, die geschrieben werden mussten und nicht wirklich für eine Linderung des Stresses beigetragen haben. Ich wollte mich unbedingt von allen Leuten verabschieden, habe in den letzten Tagen noch einige Freundschaften mehr geschlossen und war traurig, dass ich manche Menschen nicht vorher kennengelernt oder etwas mit ihnen unternommen habe.

Ich habe in den letzten zwei Wochen alle meine Freunde in Irland gebeten, in mein Abschiedsbuch zu schreiben, damit ich auch nach der Rückreise eine lebendige Erinnerung an sie habe. Ich bin der Meinung, dass die letzten Wochen die schönsten waren, eben wegen den unglaublichen Freundschaften, die ich geschlossen habe, obwohl alles andere drüber und drunter ging.

Zum Glück hat das mit dem Kofferpacken bei mir einwandfrei funktioniert, so dass ich mir hier nicht allzu viele Gedanken machen musste. Der Abschied ist mir, obwohl ich mich natürlich sehr auf zu Hause gefreut habe, sehr schwer gefallen. Ich habe mich so an Irland gewöhnt und konnte mir einfach nicht vorstellen, wieder in mein altes Leben zurückzukehren.

Der Abschied aus Deutschland war lange nicht so schlimm, wie der aus Irland

Denn am Anfang wusste ich, dass ich nach dem Jahr alle meine Freunde und Familienmitglieder wiedersehen werde. Meine neue Heimat zu verlassen machte mir klar, dass es ein wenig länger dauern wird, bis ich wieder dahin zurückkehren werde.

Ich habe keine Ahnung, ob ich alle meine irischen Freunde je wiedersehen werde und ich denke, auch wenn man immer noch in Kontakt steht,dass es nie mehr so sein wird wie vorher. Während der Rückreise kann man gar nicht darüber nachdenken, seine Freunde zurückgelassen zu haben, da man viel zu aufgeregt ist und sich auf Deutschland freut. Ich hatte zwar einen langen Reisetag, erst von Galway nach Dublin, von dort aus nach München und nach drei Stunden Aufenthalt endlich nach Hamburg, aber er war doch aufregend. Ich wurde von meinen Freunden und meiner Familie empfangen und ich war einfach nur von der Liebe und Freude überwältig, die sie mir entgegenbrachten.

Ankommen in Deutschland war zunächst anstrengend

Ich dachte mir, nun sei das Auslandsjahr komplett vorbei, aber wie viel eigentlich dazu gehört, war mir nicht bewusst. Kaum zu Hause fing nämlich die letzte Phase an. Ich muss sagen, dass die letzte Phase die schlimmste ist. Ich konnte nicht glauben, wieder in Deutschland zu sein. E

s schien alles so fremd und trotzdem vertraut, auf eine ganz komische Art. Man sieht, wie sich einige Dinge verändert haben und wie einige immer noch dieselben sind. Ich fühlte mich, als würde ich in Deutschland nur Urlaub machen und danach wieder „nach Hause“ fahren, doch so war es (leider) nicht. Ich habe mich ein wenig geweigert, meinen Koffer auszupacken, weil ich mir eingebildet habe, so das Auslandsjahr noch hinauszögern zu können.

Da ich in Niedersachsen wohne, hatte ich nach meiner Ankunft noch Schule und da ich neugierig war, was sich dort so verändert hat, ging ich auch hin. Letztendlich bin ich mir ziemlich sicher, dass es für mich ein wenig zu früh war. Ich war ein wenig überfordert und fühlte mich ein wenig fehl am Platz. Es hatten sich einige Dinge verändert, aber auch viele sind gleichgeblieben und diese Tatsache hat mich total aus der Bahn geworfen.

Ich kann immer noch nicht sagen, was ich besser finde – Veränderungen oder die Sachen die gleichgeblieben sind. Ich bin nur am Mittwoch in die Schule gegangen, die nächsten Tage konnte ich mich nicht dazu aufraffen. Jeder Mensch ist in so einer Situation anders, aber man sollte besonders da nicht vergessen, sich auch Zeit für sich selber zu nehmen.

Mir selber hat das Auslandsjahr so unglaublich viel gebracht

Ich kann allen nur empfehlen, auch einen Schüleraustausch zu machen. Ich würde schon von mir behaupten, erwachsener und selbständiger geworden zu sein, meine Probleme kann ich nun viel besser alleine lösen. Natürlich habe ich auch mein Englisch verbessern können und sogar einige „Slang“- Wörter und Irische Sätze gelernt

Selbst die negativen Dinge, die mir passiert sind – wie mein abrupter Familienwechsel- haben mir geholfen und ich bin an ihnen gewachsen. Wichtig ist, immer das Gute aus der Situation zu nehmen, egal wie negativ sie war.

Diese Eigenschaften werden mir in meinem weiteren Lebenslauf bestimmt sehr viel bringen, denn selbständige Menschen, die offen sind für Neues, werden immer gesucht. Auch meine Freunde werde ich nie vergessen und eventuell werde ich das eine oder andere Mal die Chance nutzen, diese, wo auch immer sie herkommen, zu besuchen und dadurch noch mehr von der Welt zu sehen.

Die Leistungen meiner Austausch-Organisation

Ich bin mit einer Organisation gereist, die sich schon seit Jahren für den Schüleraustausch einsetzt. In Irland selber ist die Organisation aber gar nicht vertreten, sodass die Partnerorganisation dort Interstudies war. Interstudies kümmert sich um alle Schüler, die nach Irland oder UK gehen.

Ich bin sehr zufrieden, mit dem was meine deutsche Organisation geleistet und mir geboten hat, doch bei Interstudies habe ich mich nicht wohlgefühlt. Ich hatte die deutsche Organisation ausgewählt, weil ich von dieser viel Positives gehört hatte.

Bewerbung und Vorbereitung in Deutschland

Die Bewerbung an sich war ziemlich schnell, gut und einfach, da man auch eine Online Bewerbung ausfüllen konnte. Ich hatte das Gefühl, sehr gut dort aufgehoben zu sein.

Die, wie bereits erwähnte, Vorbereitungstagung, ist für jeden Austauschschüler Pflicht, aber auch die beste Möglichkeit, sich auf den Austausch vorzubereiten. Man trifft offene Leute in seinem Alter, die alle den gleichen Wunsch haben und lernt, wie man sein Auslandsjahr am besten genießen kann. Anfangs dachte ich, was ich dort eine ganze Woche lang soll, da ich ja schon vieles wüsste, aber man bespricht dort auch Sachen, die man zuerst ausblendet oder die nicht positiv sind. Dank diesem Seminar fühlte ich mich gut vorbereitet.

Die Betreuung in Irland war unorganisiert

In Irland hat Interstudies übernommen. Interstudies wirkte, beziehungsweise wirkt, auf mich sehr unorganisiert. Sie hatten viele Probleme damit, so viele Austauschschüler zu betreuen, Trips zu organisieren oder sich um die Probleme von uns Schülern zu kümmern. Sie haben oft versucht Probleme zu vermeiden, was dazu führte, dass noch mehr Probleme entstanden sind. Ich hatte zum Glück nur zwei Mal wirklich etwas mit Interstudies zu tun, sodass mein Jahr doch sehr gut war.

Das Erste, worum sie sich gekümmert haben, waren die Orientierungstage in Edinburgh. Diese erschienen mir schon sehr unorganisiert, die Absprachen waren nicht einheitlich und von dem, was wir lernen hätten sollen, wussten wir bereits alles. Trotzdem war gut, dass wir nicht direkt ins kalte Wasser gestoßen wurden, sondern uns langsam an das Englisch gewöhnen konnten. Mein zweites „Aufeinandertreffen“ mit Interstudies, war mein Familienwechsel. Dort ist mir das erste Mal aufgefallen, was bei denen alles nicht läuft. Ich bin froh, dass ich danach keine weiteren Probleme hatte und auch meine Gastfamilie total toll war, denn ich weiß nicht, ob Interstudies mir richtig geholfen hätte.

Auswertungsseminar in Deutschland

Zurück hier in Deutschland bin zusammen mit meinem dänischen Gastbruder zum Auswertungsseminar gefahren. Für viele war dies die Abschlussfahrt, bevor es nach Hause ging. Jedes Seminar hat immer ein anderes Thema, mit welchem sich alle die Tage lang beschäftigen. Unser Thema war „Freedom“ unter dem Motto: „Think free. Act free. Be free“. Jeder wurde in zwei verschiedene Seminare eingeteilt. Das erste Seminar für mich, war mit allen anderen, die auch in Irland waren. In dieser Gruppe, haben wir das Jahr reflektiert und die Unterschiede besprochen.

Die anderen Schüler, die noch nicht wieder zu Hause waren, haben sich in ihren jeweiligen Landesgruppen zusammengesetzt, um sich auf zu Hause vorzubereiten. Ich selber hätte mir gewünscht, dass es bei uns genauso gewesen wäre, denn dann wäre die Umstellung nicht so extrem gewesen.

Für das zweite Seminar konnte man wählen, welchen Bereich man interessant findet, um über diesen etwas zu lernen. Es gab Kunst, Vielfalt, Rede, Medien, Journalismus und Organisation, für welches ich mich entschieden hatte. Jedes dieser Themen war an unser Motto angeknüpft. Es war eine gelungene Woche. Ich konnte Leute von überall her kennenlernen, meine irischen Austauschfreunde wiedersehen und viel über Freiheit lernen.

Mein Stipendium von der Deutschen Stiftung Völkerverständigung

Wie im ersten Bericht erwähnt, schauten meine Familie und ich im Netz nach mehreren Möglichkeiten eines Stipendiums. Dabei haben wir das „Taschengeldstipendium“ der Deutschen Stiftung Völkerverständigung gefunden,  auf das ich mich daraufhin beworben habe.

Es schien mir als eine gute Möglichkeit meine Eltern zu unterstützen und außerdem sah ich es als eine kleine Belohnung für mein ehrenamtliches Engagement an denn ich engagiere mich schon seit Jahren ehrenamtlich u.a. an unserer Schule. So findet nach der Schule ein gemeinsames Lauftraining mit Rollstuhlfahrern und Schülern mit geistiger Behinderung statt. Neben dem Spaß und der Erweiterung sportlicher Kompetenzen ist die Teilnahme beim Buchholzer Stadtlauf das Ziel des Trainings.

Ich habe das Stipendium gut genutzt

Natürlich freute ich mich sehr, dass ich dieses Stipendium bekommen habe. Es hilft sehr, die zusätzlichen Kosten und Ausgaben vor Ort aufzufangen. So konnte ich anfangs gleich meine Schuluniform und auch meine Fitnessmembership davon bezahlen.

Dazu kommt, dass ich viel von Irland sehen wollte und dank dieses Stipendiums aus die Möglichkeit dazu hatte, dies zu verwirklichen. Ich habe mehrere Trips gemacht, egal ob von Interstudies organisiert, wie Dublin oder die Aran Islands oder die, die ich mit Freunden auf eigene Faust unternommen habe, wie Limerick, Cork, Clifden, Connemara, Cliffs of Moher, Ougtherard oder einfach die nähere Umgebung Galways, wie Moycullen.

Auch Freizeitaktivitäten, wie Sportevents, Schulausflüge, Kino, Museen, Stadtrundfahrten oder Eintritte zu berühmten Sehenswürdigkeiten konnte ich von dem Geld bezahlen. Ich würde von mir behaupten, das Geld sinnvoll ausgegeben zu haben und fast alles von Irland gesehen zu haben.

Auch die Betreuung der Stiftung während des Jahres hat mir gut gefallen

Bei Fragen und Anmerkungen, konnte ich mich jederzeit an die Zuständigen, der Stiftung wenden. Ich hatte genügend Zeit meine Berichte fertig zu stellen und konnte dank ihnen meine Erfahrungen sammeln und teilen. Auch die Möglichkeit, eine Woche den Instagram Account zu übernehmen, fand ich ziemlich gut, denn so konnte man auch noch mal mehr Menschen erreichen und eventuell inspirieren. Besonders gefallen hat mir auch das Treffen, welches vor unserem Abenteuer stattfand, um uns gegenseitig kennenzulernen und etwas über die anderen Stipendiaten zu erfahren.

Mein Schüleraustausch-Tipp für Euch

Allgemein bin ich sowohl mit meinem Auslandsjahr als auch mit der Deutschen Stiftung Völkerverständigung sehr zufrieden und kann beides nur wärmstens empfehlen.

Eure Marieke

Wer mehr wissen will: Demnächst werde ich persönlich auf einer Auf in die Welt-Messe für Schüleraustausch über meine Erfahrungen berichten. Die Orte und Termine findet Ihr hier: http://www.aufindiewelt.de/messen

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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