Marieke ist zum Schüleraustausch in Irland: Geburtstag, Weihnachten und Dublin-Ausflug

Seit meinem Familienwechsel Anfang November habe ich mich hier richtig gut eingelebt

Marieke mit Freundinnen in Glendalough

Erfahrungsbericht von Marieke aus Niedersachsen, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Irland verbringt

Meine letzten drei Monate waren genauso ereignisreich und schön wie die Ersten

Meine neue Familie ist ziemlich toll und vergleichbar mit der ersten, verbringen wir mehr Zeit miteinander. Sie gehen mehr auf mich ein, sind interessiert an meinem Wohlbefinden und lassen mich auch mehr an ihrem Leben teilhaben. Oft gehen wir zusammen ins Café, zu den Nachbarn, einkaufen oder in den irischen Pub.

Da die Iren allgemein deutlich redefreudiger sind als wir Deutschen, erzählen meine Gasteltern all ihren Freunden und Bekannten, selbst den Taxifahrern, dass ich aus Deutschland komme, wie nett, fleißig und sportlich ich doch bin und wie toll sie es finden mich zu haben.

Ich habe keine Probleme in der Schule

Auch in der Schule läuft es ziemlich gut, trotz einiger Verständigungsprobleme mit meinem Geschichtslehrer. Wir hatten im Januar die sogenannte „Mental Health“ Woche, bei denen wir uns in kleineren Gruppen über dieses Thema unterhalten haben. Die Gruppenarbeiten handelten dabei um Mentale Gesundheit, wie Stress entsteht und wie man diesen reduzieren kann. Es war schön nach langer Zeit mal wieder ein Gruppenprojekt zu machen, da diese hier leider selten in den Unterricht eingebaut werden. Allgemein ist die Art zu unterrichten hier anders als in Deutschland. Der Unterricht findet meist nur frontal statt, es gibt keine Referate oder sonstige Beteiligung am Unterrichtsgeschehen von Seiten der Schüler. Viele Themen, die in den verschieden Fächern behandelt werden, habe ich schon vor einiger Zeit in Deutschland bearbeitet. Für die Ausweitung meines Vokabulars ist dies jedoch sehr zum Vorteil, denn ich kann mich mehr auf die Sprache als auf den Inhalt fokussieren.

 

Mein Geburtstag mit der Gastfamilie

Da mein Geburtstag im November ist, hatte ich das Glück diesen mit meinen Freunden und meiner Gastfamilie hier feiern zu können. Das war ein ziemlich schwerer Tag für mich, an dem ich das erste Mal so richtiges Heimweh gespürt habe.

Ich habe meinen Geburtstag an dem Wochenende vorgefeiert, zusammen mit meinen irischen, italienischen und auch deutschen Freunden.

Am Abend meines richtigen Geburtstages kamen meine Gasteltern und meine drei engsten Freunde vorbei um für mich zu singen, zum Kuchen essen und zu feiern. Meine Geschenke waren als Paket schon einige Tage vorher angekommen und so konnte ich sie pünktlich auspacken. Meine Familie und Freunde aus Deutschland hatten mich schon früh am Morgen angerufen um mir zu gratulieren.

Ich war froh, dass ich meine Freunde um mich hatte, denn es war schon schwer an diesem Tag nicht zu Hause sein zu können. Mir sind viele Unterschiede beim Ablauf von diesem besonderen Tag aufgefallen. Es ist eindeutig anders, als dass was man gewohnt ist.

Letztendlich kann ich nur sagen, dass auch dieses als Erfahrung dazu gehört und ich froh bin, meinen Geburtstag hier erlebt und verbracht zu haben.

Auch Weihnachten war dieses Mal ziemlich anders

Nicht nur, dass hier am 25. Dezember Bescherung ist, sondern auch alles was damit zusammenhängt. Angefangen hat die Weihnachtszeit bei uns offiziell mit der Eröffnung des Weihnachtsmarktes. Dieser war geprägt mit dem Einfluss von einem deutschen Weihnachtsmarkt, doch war lange nicht so groß und umfangreich. Die beiden Hauptattraktionen waren das „deutsche Bierzelt“ und das Riesenrad mitten auf dem berühmten Eyre Square.

Was mich an Weihnachten sehr verwundert hat ist, dass nachdem man den künstlichen Weihnachtsbaum aufgestellt und geschmückt hat, man die Geschenke schon vor der Bescherung nach und nach unter dem Baum platziert. Da ich es nicht gewohnt bin, die Geschenke vor Heiligabend zu sehen, war es komisch für mich.

Am Abend des 24. Dezembers habe ich mich mit meinen deutschen Freundinnen getroffen, um ein kleines deutsches Weihnachten zu feiern. Wir haben Quarkbällchen gebacken und zusammen unsere Geschenke, die aus Deutschland gekommen sind, ausgepackt.

Der Weihnachtstag war zunächst ein wenig verwirrend für mich. Ich hatte von meiner Gastmutter schon vorher erfahren, dass ihre Kinder zu Besuch kommen und wir ein großes Familienessen haben werden. Doch zum weitern Ablauf hat sie mir nichts gesagt.

So wachte ich am 25. Dezember auf und wusste nicht recht was ich machen sollte. Meine Gastmutter hatte angefangen das große Essen Schritt für Schritt zu kochen, sodass sie keine Hilfe benötigen konnte. Deshalb lenkte ich mich mit kleineren Aufgaben wie Tisch decken oder Kamin anmachen ab, bis die Familie eintraf.

Als diese kam, bestehend aus den beiden Töchtern und dem Sohn, als auch seiner Frau, haben wir gegessen. Hier in Irland ist es Tradition zu Weihnachten Truthahn, sowie Kassler-ähnlichen Schinken zu essen. Dazu gab es verschiedenes Gemüse, gegrillt und gekocht, Soße und natürlich - für irisches Dinner typisch - Kartoffeln.

Nach dem Essen sind wir alle zusammen ins Wohnzimmer gegangen und meine Gastschwester hat die Geschenke verteilt. Ich habe gewartet, bis jeder seine Geschenke hat, bevor ich angefangen habe auspacke. So, habe ich gedacht, dass die anderen es auch machen würden, da es so üblich ist bei uns zu Hause. Doch jeder hat seine Geschenke sofort aufgerissen und die dazugehörigen Danksagungen gingen leider etwas unter. Dies war für mich ein kleiner kultureller Schock, da wir zu Hause alle nacheinander aus packen, damit jeder auch die Reaktion des anderen sehen kann. Nach der Bescherung hat zu meinem Erstaunen jeder etwas für sich gemacht. Ich dachte, dass wir alle noch zusammen sitzen und reden würden, aber dies war nicht der Fall. So fand ich mich letztendlich lesend auf dem Sofa wieder. Insgesamt kann ich sagen, dass es zwar ein seltsames und ungewohntes, aber dennoch schönes Weihnachten war.

Silvester habe ich zusammen mit meinen Freunden gefeiert

Meine Gasteltern gehen üblicherweise an Silvester zu ihren Nachbarn um zusammen Fernzusehen. Da mein Gastvater dieses Jahr leider krank war, sind meine Gasteltern zu Hause geblieben und haben mir empfohlen zu Freunden zu gehen. Jeder hat etwas zu Essen mitgebracht oder es wurde vor Ort gekocht, wir haben Musik gehört und viel getanzt. Ansich war der Abend wie jeder andere, den ich hier mit meinen Freunden verbringe. Um, für uns elf Uhr, haben wir jeweils unsere Familien angerufen, um ihnen ein schönes neues Jahr zu wünschen. Aufgrund der einstündigen Zeitverschiebung waren diese zeitlich gesehen schon in 2017. Um Mitternacht unserer Zeit haben wir dann zusammen angestoßen und sind rausgegangen um Fotos zu machen und die Nacht zu genießen. Nur um feststellen zu müssen, dass Feuerwerk in Irland verboten ist und nur bei offiziellen Events gezündet werden darf.

Wie man sieht gibt es auch bei solchen Anlässen erhebliche Unterschiede. Dabei ist es egal, ob es ein Event wie Geburtstag, Weihnachten oder Silvester ist – jeder hat seine eigene Tradition und ich bin froh, dass ich daran Teil haben durfte.

Dublin-Ausflug mit meiner Austausch-Organisation

Von dem 13. Februar, bis zum einschließlich 16. Februar wurde von meiner englischen Organisation ein dreitägiger Aufenthalt in Dublin, der Hauptstadt von Irland, angeboten. Die Tage in Dublin waren gefüllt mit verschiedenen Aktivitäten und Ausflügen zu diversen Sehenswürdigkeiten in Dublin und Umgebung.

Der erste Tag war hauptsächlich zur Anreise gedacht und am Abend gab es ein erstes gemeinsames Essen in einem Pub in der Nähe unseres Hostels. Da ich und meine Freunde aus Galway schon etwas früher angereist sind, haben wir die Zeit genutzt um Dublin schon einmal auf eigener Faust zu erkunden. Das Hostel hatte eine perfekte Lage mitten in der Altstadt, wodurch wir einfach und schnell zu Fuß zu den wichtigsten Orten gekommen sind. Beim Abendessen im Pub habe ich dann auch die anderen Austauschschüler und Schülerinnen kennengelernt und mich mit allen sehr gut verstanden. Jeden Abend hatten wir Freigang bis 10.30 Uhr was mir erlaubte mehr von Dublin zu sehen und mit meinen neu gefundenen Freunden Zeit zu verbringen.

Am 14.Februar stand eine Stadttour auf dem Programm. Da wir fast 60 Schüler waren, wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und haben uns jeweils einem Guide angeschlossen. Jedoch bevor die Führung losgehen konnte, haben wir ein paar Spiele gespielt um uns kennenzulernen und uns aufzuwärmen, da es doch ziemlich kalt am Morgen war. Unser Guide zeigte uns viele verschiedene Orte in Dublin, unteranderem das Dublin Castle und das Trinity College. Es war sehr interessant und informativ. Dann hatten wir Mittagspause, bevor es am Nachmittag zum „Guinness Storehouse“ ging und wir mehr über die Herstellung und Zutaten des berühmten irischen Bieres erfahren haben. Auch diese Attraktion war sehr spannend und hat mir mal wieder mehr Einblick in die irische Kultur gegeben. Den Abend hatten wir frei und ich habe mit meinen Freunden Dublin erkundet und hatte ein leckeres Abendessen.

Am vorletzten Tag war eine Bustour in die Umgebung Dublins geplant, die uns unteranderem nach Glendalough brachte. Glendalough ist ein Tal etwa 40 km von Dublin entfernt und hat eine atemberaubende Natur und Szenerie. Die Busfahrt war sehr holprig und steil, aber alle haben überlebt und hatte eine gute Zeit. Weiter ging es mit dem Bus nach Kilkenny, wo wir für 4 Stunden Zeit hatten uns den Ort anzusehen und etwas zu Mittag essen konnten. Ich bin mit Freunden auch zu dem Kilkenny Castle gegangen, es ist ein sehr altes und wunderschön gebautes Schloss mit einer riesigen Parkanlage, leider konnten wir es nicht von innen besichtigen. Wir kamen gegen sechs Uhr an unserem Hostel an und hatten den letzten Abend wieder Freizeit.

Der letzte Tag war zur Abreise gedachte und deshalb war nichts geplant. Da der Bus von meinen Freunden und mir erst am Abend zurück nach Galway fuhr, haben wir die überschüssige Zeit genutzt und sind durch die Hauptstraße Dublins gebummelt. Diese drei Tage haben mir mal wieder gezeigt wie vielfältig und wandelbar Irland sein kann. Ich habe mich wirklich wohl gefühlt in der Hauptstadt und hoffe bald wiederkehren zu können.

Was ich von den nächsten Monaten erwarte

Im Großen und Ganzen versuche ich meine Erwartungen an die nächsten Monate klein zu halten und diese einfach auf mich zukommen zu lassen. Ich habe hier schon so viel erlebt und durchgestanden, sodass die letzten Wochen mich höchstwahrscheinlich auch bereichern werden und dich diese hoffentlich weiterhin genießen werde.

Obwohl ich schon einige Ausflüge gemacht habe, hoffe ich dennoch, noch mehr von Irland sehen zu können, denn man kann nie genug von einem Land sehen. Kurz nach Ostern kommt dann nochmal die große und für die Iren wichtige Klausur-Phase auf mich zu, in der natürlich auch ich mein Bestes geben werde.

Außerdem freue ich mich schon auf den berühmten St. Patricks Day, welcher hier am 17. März traditionell gefeiert wird. Da ich leider nur noch drei Monate von meinem Auslandsjahr in Irland übrig habe, möchte ich so viel wie möglich erleben und meine restliche Zeit auf der grünen Insel genießen. Und ja, Irland ist wirklich so grün wie alle sagen.

Eure Marieke

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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