Marieke ist zum Schüleraustausch in Irland: Gastfamilienwechsel, Halloween und viel Natur

Meine Motivation ist, dass ich ein mir fremdes Land und die Kultur kennenlernen, Sitten und Bräuche erleben möchte

Marieke an den Cliffs of Moher

Erfahrungsbericht von Marieke aus Niedersachsen, die ihr Auslandsjahr mit unserem Austausch-Stipendium in Irland verbringt.

Mein Schüleraustausch nach Irland und wie alles begann

Mich haben meine Erlebnisse mit fremden Menschen und meine Reisen in andere Regionen Deutschlands als auch ins Ausland immer wieder sehr in meinem Vorhaben bestätigt, ein Auslandsjahr machen zu wollen.

Meine Motivation ist, dass ich ein mir fremdes Land und die Kultur kennenlernen, Sitten und Bräuche der anderen erleben möchte. Denn ein Land mit anderen politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bedingungen bietet immer die Möglichkeit seinen eigenen Lebenskreis, Werte und Normen, Vorstellungen zu reflektieren und ggf. zu ändern.

Da es meinen Eltern nicht möglich ist, allen drei Kindern einen Auslandsaufenthalt zu finanzieren, hatte ich letztes Jahr vorrangig nach Voll- bzw. Teilstipendien gesucht. Über eine Austauschorganisation habe ich mich dann nur für das Parlamentarische Partnerschaftsprogramm (Vollstipendium) beworben. Ich wurde zum Gespräch geladen, aber leider nicht für das weitere Verfahren ausgewählt.

Die Plätze für die USA waren bei dieser Austauschorganisation dann schon alle belegt, aber ich habe mich auch nicht mehr bei anderen Organisationen informiert, sondern bin bei dieser Austauschorganisation geblieben. Kanada, wo ich aufgrund des zweisprachigen Unterrichts sehr gerne hingeflogen wäre, war viel zu teuer. Somit entschied ich mich für Irland, da ich unbedingt in ein englischsprachiges Land wollte. Hier in Irland ist nicht meine deutsche Organisation zuständig, sondern INTERSTUDIES ist mein Ansprechpartner.

Meine Familie und ich schauten im Netz nach weiteren Möglichkeiten eines Stipendiums. Dabei haben wir das „Taschengeldstipendium“ der Deutschen Stiftung Völkerverständigung gefunden. Ich engagiere mich schon seit Jahren ehrenamtlich u.a. an unserer Schule. So findet nach der Schule ein gemeinsames Lauftraining mit Rollstuhlfahrern und Schülern mit geistiger Behinderung statt. Neben dem Spaß und der Erweiterung sportlicher Kompetenzen ist die Teilnahme beim Buchholzer Stadtlauf das Ziel des Trainings.

Natürlich freue ich mich sehr, dass ich dieses Stipendium bekommen habe. Es hilft sehr, die zusätzlichen Kosten und Ausgaben vor Ort aufzufangen. So konnte ich anfangs gleich meine Schuluniform davon bezahlen. Ich werde bestimmt auch eine von der Organisation angebotene Reise, die man extra bezahlen muss, buchen und mir noch eine andere Ecke des Landes anschauen.

Es war zwar zum Anfang ungewohnt, aber ich mag es hier zur Schule zu gehen

In Irland ist es üblich eine Schuluniform zu tragen; nur einzelne Schulen bilden Ausnahmen. Auch in meiner Schule, der St. Endas Secondary School (Coláiste Éinde), muss eine Schuluniform getragen werden. Sie besteht aus einem dunkelblauen Pullover, einer gleichfarbige Hose und einem weißen Polohemd. Eigentlich ist es sogar sehr praktisch, denn man ist am Morgen immer schneller mit der Wahl des Outfits fertig und hat noch Zeit, bevor man zur Schule gehen muss.

Die Schule beginnt hier zwar erst um neun, doch sobald man sich daran gewöhnt hat, ist auch das zu früh. Schulende ist um 15:50 Uhr; außer am Mittwoch und Freitag; da endet der Unterricht um 15:10 Uhr. Eine Schulstunde dauert 40 Minuten.

Ich mag es hier zur Schule zu gehen. Es war zwar zum Anfang ungewohnt, weil es doch anders als zu Hause ist. Jedoch bin ich sehr zufrieden. In der Schule gefällt es mir wirklich gut. Jeder Schüler muss die Pflichtfächer Mathematik, Englisch und Irisch belegen. Für mich und die anderen Austauschschüler wird kein Irisch angeboten. Unsere Gruppe bekommt in dieser Zeit eine Extra-Stunde „Englisch“. Wir können dann spezielle Fragen zu Begrifflichkeiten und Redewendungen stellen, besprechen diese Themen und arbeiten an unserer Aussprache.

Weiterhin gibt es Fächer wie Religion und Sport, der hier PE= physical education genannt wird. Außerdem haben wir mindestens einmal in der Woche eine „study period“, also eine Lernzeit, in der wir unsere Hausaufgaben fertig stellen können. Dann hat man die Wahl zwischen vielen verschiedenen Fächern, wie zum Beispiel Geografie, Kunst, Musik oder Wirtschaft, und muss sich für drei von diesen entscheiden. Ich habe Geschichte, Chemie und Home Economics (Hauswirtschaftslehre) gewählt.

Auch wenn ich mich erst an den Unterricht, die Sprache und die Lehrer gewöhnen musste, komme ich nach drei Monaten schon sehr gut zurecht und habe mich sehr gut eingelebt. Die Fächer sind interessant, doch manchmal ist es noch schwer alles zu verstehen. In der Woche vom 21. November hatten wir unsere erste Examen-Woche. Es fühlte sich ein wenig so an, als würden wir unser Abitur schreiben, denn die Arbeiten werden hier sehr ernst genommen. Geschrieben haben wir diese in einem großen Saal, jeder auf seinem Platz in mehreren Reihen.

In den ersten drei Monaten habe ich bereits zweimal die Gastfamilie wechseln müssen

In den drei Monaten, die ich nun schon hier bin, habe ich zweimal die Gastfamilie wechseln müssen. Zuerst war ich in einer Gastfamilie, bestehend aus meiner schwangeren Gastmutter, meinem Gastvater, meinen Gastbruder (3) und meiner Gastschwester (5). Zusätzlich hatte diese Familie auch noch eine andere Austauschschülerin aus der Schweiz aufgenommen. Mit dieser Familie kam ich gut klar, auch wenn ich nicht besonders stark in das Familienleben einbezogen wurde. Auch mit meiner Austauschschwester habe ich mich prima verstanden. Das Problem war leider, dass sie aus der deutschsprachigen Schweiz kam und wir somit die gleiche Sprache sprechen. Des Weiteren war sie auch von einer anderen Organisation, sodass wir nicht zusammen wohnen durften. Da ich zwei Wochen nach ihr in der Gastfamilie ankam, musste ich daher die Familie wechseln.

Als feststand, dass ich woanders platziert werde, ging der Wechsel ziemlich schnell. Da meine Gastmutter zu der Zeit gerade ihr Baby bekam, war es für sie ziemlich praktisch, dass mein Zimmer frei wurde. Für mich jedoch bedeutete es ziemlichen Stress. Ich kam am Freitag aus der Schule und mir wurde gesagt, dass ich bitte meine Sachen packen solle. Also musste ich das Wochenende vor Halloween ad hoc „ausziehen“. Da meine neue Familie dieses Wochenende noch nicht bereit war mich aufzunehmen, sollte ich erst einmal in eine Übergangsfamilie. Da der Abschied von meiner Gastfamilie schon ziemlich traurig und schwer war, hatte ich wenig Lust für ein einziges Wochenende eine neue Gastfamilie kennenzulernen. Nach einiger Fragerei durfte ich letztendlich die vier Tage über Halloween bei einer Freundin verbringen, von der ich die Gastfamilie schon von vorherigen Besuchen her kannte. Nach Halloween zog ich dann in meine jetzige Gastfamilie. Ich wohne nun eine Viertelstunde von meinem alten Standort weg, doch hier erreiche ich viele Orte, wie z.B. die Schule, deutlich schneller.

Meine jetzige Familie besteht aus meinem Gastvater, meiner Gastmutter und meinen erwachsenen Gastschwestern,  von denen aber nur noch eine zu Hause wohnt. Ich fühle mich vergleichbar deutlich wohler, als in den anderen Familien. Hier habe ich viel mehr das Gefühl von Familie; es sind mehr Gemeinsamkeiten und Gesprächsthemen als in den anderen Gastfamilien vorhanden und mein Alltag ist dadurch familiärer. Obwohl der Wechsel zum Anfang schwer war, bin ich letztendlich sehr froh darüber, dass er so positiv geendet hat.

 

Nach kurzer Zeit habe ich schon einige Freunde gefunden

Am Anfang waren es zum größten Teil nur andere Austauschschüler. Es ist einfacher Kontakte mit ihnen zu knüpfen, weil sie das Gleiche wie ich erleben und durchmachen. Aber nach einer Weile kamen auch irische Freunde dazu und darüber bin ich wirklich erleichtert und glücklich. Sich irischen Leuten zu nähern war deutlich schwieriger, denn man macht sich meist zu viele Gedanken, ob man alles richtig sagt und ausspricht.

Ich würde mittlerweile schon sagen, dass ich eine feste Gruppe gefunden habe. Dazu gehören sowohl deutsche als auch spanische und italienische Austauschschüler und natürlich einige irische Jugendliche. Ich komme mit fast allen gut zurecht. Da die Iren wirklich sehr freundlich sind, freut man sich, eine Beziehung aufzubauen. Mit meinen Freunden unternehme ich viel am Wochenende, z.B. wie in die Stadt gehen oder zu dieser Jahreszeit auf den Weihnachtsmarkt.  Meine irischen Freunde können mich viel besser an die Gewohnheiten und an die Sprache heranführen als die Gastfamilie und auch die Umgebung erkunden, macht mit ihnen viel mehr Spaß.

Halloween in Irland war ein ganz besonderes Erlebnis

Mein Halloween war in zwei Teile aufgeteilt. Zuerst war ich mit meiner Übergangsfamilie in „Briget`s Garden“ und am Abend besuchte ich mit meinen Freunden die jährliche Halloween Parade die sogenannte Macnas Parade. Diese Parade ist ein 20 minütiger Umzug quer durch die Stadt, der einfach atemberaubend war.

Jedes Jahr gibt es dafür ein Motto und dieses Jahr war es „Insekten und deren Feinde“. Es wurden übergroße Eulen gezeigt, Musik Akts, die als Insekten verkleidet auf einem Pilz ihre Musik gespielt haben und beeindruckende Kostüme. Dieses Halloween-Spektakel hat fast 20.000 Touristen und Schaulustige angezogen, die Stadt war voll mit Menschen und lebhafter als je zuvor.

Nicht nur an Halloween ist Galway eine gut besuchte Stadt. Mit vielen kleinen Cafés und Läden, schönen Straßen-Acts und einer interessanten Stadtgeschichte ist Galway eine Touristenattraktion. Hier findet immer etwas statt und wenn es nur die heimische Straßenband ist, versprüht die Stadt einen wunderschönen Charme. Ich bin froh, hier so viel erleben zu können, dass die Stadt und meine Freude mir so viel bieten.

Mein Ausflug zu den Cliffs of Moher

In diesen drei Monaten, die ich jetzt schon hier in Irland bin, habe ich es auch schon geschafft mir etwas von der Gegend von Galway anzuschauen. Ich habe mit drei weiteren Austauschschülern eine begleitete Bustour zu den Cliffs of Moher gemacht. Wir sind etwa zwei Stunden zu den Klippen gefahren und haben zwischendurch immer mal wieder bei verschiedenen Attraktionen gehalten. Die Cliffs of Moher waren atemberaubend schön und sie zeigten mir wie magisch und beeindruckend die Natur von Irland doch ist. Der Ausflug hat den ganzen Tag gedauert und ist wirklich zu empfehlen. Diese Eindrücke werde ich so schnell nicht wieder vergessen.

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Marieke

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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