Freiwilliges Soziales Jahr für den Schüleraustausch - „Alles kann, nichts muss“

Unsere FSJ-lerinnen berichten über ihr erstes Seminar auf dem Scheersberg im Norden von Schleswig-Holstein

Clarissa und Sarah absolvieren ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur 2017/18 in unserer Stiftung. Sie berichten hier über ihre Erlebnisse. Hier ist ihr Erfahrungsbericht

Letzte Woche war es endlich soweit: Clarissa und ich mussten (oder eher „durften“) zum ersten Mal zum Scheersberg reisen. Damit wir am Montag nicht zu früh aufstehen mussten, nahm sie mich am Sonntag schon mit zu sich nach Hause und so machten wir uns nach einer Nacht „Sleepover“ gegen 10 Uhr auf den Weg. Sie fährt auch gar nicht schlecht, so dass mir die Panikattacke erspart blieb.

Nachdem wir angekommen waren, mussten wir – die Anlage ist wirklich groß – erstmal das richtige Gebäude finden, was wir doch recht schnell taten und wie sich herausstellte, waren wir die ersten Freiwilligen dort. Zusammen mit unseren Teamern setzten wir uns, erzählten ein bisschen und warteten auf die anderen 24 FSJler, welche nach und nach eintrudelten.

Es ging auch gleich mit einer Art Spiel los. Jeder zog ein Namensschild (natürlich nicht sein eigenes) und musste dann die passende Person zum Namen und je 2 Fakten über diese (heraus-)finden. Für mich selbst erwies sich das als schnell erledigte Aufgabe, denn meine Person und ich zogen uns gegenseitig.

Wir wurden sozusagen „ins kalte Wasser“ geschmissen und hatten die Gelegenheit einige unserer Regionalgruppenpartner etwas näher kennenzulernen, ein paar „Fun Facts“ auszutauschen. Das hat die Aufregung wohl bei Mehreren etwas genommen. Böse Menschen gibt’s beim FSJ ja sowieso nicht und meine Meinung, dass FSJler total sympathische Menschen seien, hat sich täglich bestätigt. Vielleicht hatten wir aber auch einfach unglaublich Glück mit unserer Gruppe.

Als dann die ersten Informationen inklusive Namensschilder ausgegeben wurden, stand die Zimmeraufteilung auf dem Plan. Aufgrund dessen, dass es auf unserem ersten Seminar nur 2er- und 3er-Zimmer gab, konnten Clarissa und ich zusammen in ein Zimmer, worüber sie auch ganz glücklich war. Das Gepäck brachten wir nach dem Mittagessen auf die Zimmer. Wir können übrigens die Aussagen vorheriger Freiwilliger, dass das Essen sehr gut sei, bestätigen.

Um 13 Uhr versammelten wir uns im Malersaal, dem größten Raum unseres Aufenthaltsbereichs und in gewisser Weise unser Klassenraum für die Woche.

Wir setzten uns in einen Stuhlkreis – unsere Go-To-Sitzorganisation – und los ging es. Im Vorhinein mussten wir alle einen Kultur- oder Politikgegenstand mitbringen und dann hat sich jeder vorgestellt und kurz ein paar Worte zu seinem Gegenstand gesagt. Dort kamen dann auch die Namensschilder und unsere Fakten wieder zum Einsatz. Einer fängt an, stellt seinen Gegenstand vor und wer das Namensschild zog, stellt ihn dann vor und ist danach selbst dran. Und so ging es dann reihum.

Über die Woche verteilt gab es viel Input und viele kleine und große Spiele, (k)ein Favorit war der sogenannte Raumlauf. Ein Spiel, bei dem wir >>durch den Raum laufen<< mussten.

Nach ein paar Stunden – Raumlauf nahm nur einen kleinen Teil ein – gab es dann Kaffe&Kuchen, beziehungsweise Kuchen für mich und nach wieder ein paar Stunden Abendessen. Der Montag ist erst sehr spät ausgeklungen. Selbst nach dem Essen hatten wir noch einen Punkt auf dem Programm stehen und so haben wir gegen acht Uhr das „Kultur-Politik-Journal“ abhaken können.

Die nächsten Tage waren um Einiges entspannter. Morgens wurde immer mit einem „Starter“ (Aufwärmspiel) angefangen damit wir wach werden. Anschließend haben wir kurz unsere Einsatzstellen vorgestellt.

Dienstags haben wir uns sehr stark mit Kultur und Politik sowie uns selbst auseinandergesetzt. Mein persönliches Highlight vor dem Abend war „Fremde Welt“. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und haben uns dann unsere eigenen Kulturen ausgedacht. Bei uns zum Beispiel war der Puma unser Gott und wir hatten allerlei komische Regeln für Begrüßung, Anrede und Abschied. Das war unglaublich peinlich, aber auch unglaublich lustig.

Nach dem Abendessen gab es ein Pub Quiz, was sehr viel Spaß gemacht hat. Am Ende hat sogar jede Gruppe gewonnen! Danach durften wir uns dann selbst beschäftigen und ich habe mit Clarissa und ein paar anderen Cards Against Humanity gespielt.

Auch, wenn die Tage alle sehr vollgepackt waren, fand ich es doch klasse, dass es auch abends immer Angebote gab, zu denen man erscheinen konnte, aber nicht musste.

Am Mittwoch gingen dann die Workshops los. Vorab konnten wir zwischen einem Kunst- und einem Poetry Slam-Workshop wählen. Wir haben uns beide für diese Schreibwerkstatt entschieden.

Getreu dem Motto „Alles kann, nichts muss“ konnten wir schreiben und vorstellen oder auch nicht. So in etwa hat sich auch die ganze Woche gestaltet, worüber ich mich sehr gefreut habe. Man wird zu nichts gezwungen, nie verurteilt, alle sind offen und freundlich. Es war wie auf Klassenfahrt, bloß viel besser!

Am selbigen Tag fand auch der Workshop „Alltagsrassismus und Stammtischparolen“ statt. Diesen fand ich ebenfalls sehr interessant und das Schöne war, dass wir zuhören, offen Meinungen austauschen und diese diskutieren konnten. Es wurde viel geredet und hätte noch ewig so weiter gehen können.

Vor dem Abendessen (es gab übrigens auch Pfannkuchen!) haben wir uns auf eine Aufzeichnung des Stückes „Verrücktes Blut“ vorbereitet, die wir danach geguckt haben. Ein extremst schockierender Film, und dennoch tut es nicht weh, sich diesen mal anzusehen.

Am Donnerstag, dem vorletzten Tag, waren wir, nachdem wir am Vormittag den Film besprochen haben, fast durchgängig in unseren Werkstätten. Während wir am Vortag einen Poetry Slam geguckt haben, viele Schreib- und Wortspielübungen gemacht haben und unseren ersten kleinen Text schrieben, hieß es nun „An die Stifte, fertig, los!“. Mit kurzen Pausen zwischendrin haben wir den ganzen Tag geschrieben. Natürlich hatte ich ausgerechnet dann eine Kreativitätssperre. Aber dafür hab ich süße Häschenvideos geguckt und mir mit intelligenter Knete die Zeit während des Reimesuchens vertrieben.

Am Abend wurden dann Texte vorgetragen und die Kunstwerke aus dem anderen Workshop ausgestellt. Auch unsere Werkstattleiterin Marie (die total cool ist!) hat einen Text verfasst und vorgetragen. Es ging um uns und war unfassbar süß! Die Texte der mehr oder weniger Amateure waren echt toll und alle sehr unterschiedlich. Ebenso waren auch die gemalten Bilder alle vielseitig, kreativ und gut.

Da es unser letzter Abend war, wurde nach der „Show“ eine Party veranstaltet. Ich bin heilfroh, dass wir alle so kultiviert sind und nicht geschrien wurde oder die Böden klebten. Um 1 Uhr nachts entschied ich mich es wäre Zeit ins Bett zu gehen. Ich stand dann allerdings noch eine Weile draußen und hab den Sternenhimmel beobachtet. Jetzt, da ich in einer Großstadt lebe, vermisse ich das mehr als ich vorher ahnte. Wer also Sterne gucken will, ist auch dafür auf dem Scheersberg richtig aufgehoben. Um 2 Uhr schloss ich meine Augen. Hundemüde und immer noch ohne Heimweh wachte ich am Freitag früh genug auf, um mir den Sonnenaufgang anzusehen. Bis zum Mittag haben wir aufgeräumt, die vergangene Woche reflektiert und unsere Repräsentativen gewählt. Die ersten Prognosen kamen schnell rein und so gab es am Ende ein klares Ergebnis mit zwei haushohen Siegern. Schon war es Zeit für unser letztes Mittagessen des Seminars und es hieß Abschied nehmen um aufzubrechen.

Auf dem Weg zurück haben Clarissa und ich sogar noch einen Regenbogen gesehen. Also wenn das kein gutes Zeichen ist!

Entgegen all meinen kleinen Zweifeln oder Bedenken – neu und unbekannt ist nie bequem - haben mir diese fünf Tage auf meinem ersten Seminar unendlich viel Spaß gemacht. Schon nach der Hälfte war mir klar, ich will gar nicht mehr nach Hause.

Ich habe fantastische Menschen kennengelernt und kann das nächste Seminar und die nächsten Workshops schon kaum erwarten.

Bis dahin Eure Sarah

Über uns

Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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