FSJ: Anna war in Kiel auf dem Seminar zur politischen Bildung

Nicht nur der Ort war ganz anders als bei den bisherigen Seminaren

Anna in Kiel vor dem Wissenschaftszentrum

Anna Klinker kommt aus Berlin und absolviert im Jahr 2016/17 bei der Deutschen Stiftung Völkerverständigung ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur (FSJ). Im Bog berichtet sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen.

Anders, als die bisherigen Seminare fand dieses in Kiel statt. Im Bildungszentrum Mettenhof haben wir ein deutlich theoretischeres Seminar erlebt, als wir sie bisher vom Scheersberg kannten.

Doch zunächst ging es, wie gewöhnlich, mit der Anfahrt am Montagmorgen los. Die Seminare mit dem Mittagessen zu beginnen gehört inzwischen fast dazu. Damit war dann auch schon sehr schnell klar, dass wir wirklich nicht auf dem Scheersberg sind und das Essen dort die Woche über vermissen werden!

Nach dem Mittagessen stellte sich uns der Leiter der Einrichtung vor und führte uns in die Woche und in die Regeln des Bildungszentrums ein. Wie der Name des Seminars schon meint, ging es um politische Themen. Angeboten wurden drei Workshops. Wir mussten uns zwischen entscheiden zwischen

  • Gewalt – Wie entsteht Gewalt? Gewalt als Kommunikationsform
  • Russland – Entwicklung nach Ende der Sowjetunion, Russlands heutige Lage
  • Beschäftigung mit dem Islam in Deutschland entscheiden.

Ich habe den Islam-Workshop mitgemacht. Den Nachmittag haben wir dann in unseren Workshops verbracht, uns kennen gelernt und das erste Mal über unser Thema geredet.

In meiner Gruppe ging es am Montag hauptsächlich darum, warum wir uns für diesen Workshop entschieden haben und ob und wie wir mit dem Islam schon in Berührung gekommen sind.

Am zweiten Tag haben wir dann in Gruppenarbeiten gelernt, dass es so etwas wie „den Islam“ nicht gibt. Um in der Gruppe sinnvoll zu unserem Thema diskutieren zu können – was das Ziel der Woche sein sollte – haben wir am Dienstag in Kleingruppen zum Islam recherchiert. Wir haben uns mit seiner Entstehung, der Verbreitung, einigen seiner Inhalte und seinen Unterscheiden zum Christen- und Judentum beschäftigt. Genau wie in anderen Religionen auch unterscheiden sich Richtungen und Auslegungen im Islam. Weshalb es schwierig ist, sich ein Bild von dieser – wie auch von jeder anderen – Religion zu machen.

Im Laufe des Tages sind wir immer wieder auf die Vorurteile und Ängste gestoßen, die, wie wir merkten, stark verbreitet sind und auch durch die ständige mediale Aufmerksamkeit geschürt werden. Um dies ein wenig zu vertiefen, haben wir uns am Mittwoch Fragen überlegt, die wir vormittags Passanten in Kiel stellten. Die Antworten haben wir dann am Nachmittag gemeinsam ausgewertet.

Am Donnerstag sind zwei Mitarbeiter von PROvention zu uns ins Bildungszentrum gekommen. Das ist eine Präventions- und Beratungsstelle gegen religiös begründeten Extremismus.

An diesem letzten ganzen Seminartag konnten wir dann endlich in der Gruppe diskutieren. Es ging nun nicht mehr so sehr um inhaltliche Aspekte der Religion, sondern – wie der Name schon vermuten lässt – um die Radikalisierung hauptsächlich Jugendlicher in Deutschland. Dafür haben wir zunächst über die Bedeutung des Wortes radikal geredet und versucht für uns zu bestimmen, ob es ausschließlich für etwas Negatives stehen muss. Oder, ob „ein Problem bei der Wurzel zu packen und es – für einen selbst – richtig zu lösen“ auch etwas Positives sein kann. Im Anschluss haben wir Aussagen über das Verhalten von Jugendlichen versucht in eine von dreien Kategorien einzusortieren. So sollten wir ein Verständnis dafür entwickeln, welches Verhalten ohne weiteres als normal gelten kann, bei welchem Verhalten vielleicht ein Nachfragen wichtig wäre, weil es womöglich auf eine religiöse Radikalisierung hinweist. Die letzte Kategorie war für die klar als radikal definierbaren Aussagen. Der Tag war sehr interessant! Über die Gründe zu reden, aus denen sich Menschen für ein sehr strenges Ausleben einer Religion – in diesem Fall des Islams – entscheiden.

Generell hat uns diese Woche ein sehr differenziertes Bild von „dem Islam“ vermittelt. Wir haben eine Menge über die Religion und die in Deutschland lebenden Muslime gelernt.

Da dieses Seminar für die Bundesfreiwilligendienst-ler der Gruppe „Schule“ durchgeführt wird, war die für uns zuständige Referentin des LKJ (Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung), Nadine, nicht beteiligt. Damit wir uns an den Nachmittagen und Abenden aber bloß nicht langweilen, ist sie jeden Tag von Rendsburg nach Kiel gekommen und hat ein kleines Programm angeboten. Dabei konnte jeder selber entscheiden, ob er teilnimmt, oder nicht.

So war ich am Montagabend auf einer Jazzsession im Statt-Café, habe am Dienstag den Landtag besucht, wo wir von einem ehemaligen FSJler herumgeführt wurden, der dort für die CDU-Fraktion arbeitet. Mittwochs durften wir uns im Musiculum alle möglichen Instrumente anschauen und spielen. Das Mädchen, das uns dort herumführte, macht dort momentan ihr FSJ Kultur und hat uns sehr ausführlich erklärt, wie die Arbeit mit den „kleinen Besuchern“ aufgebaut ist und auf welche Art und Weise die Funktionsweise der Instrumente vermittelt wird. Am letzten Abend des Seminars haben einige von uns das gute Wetter ausgenutzt und sind mit Nadine in den sehr schönen Botanischen Garten Kiels gefahren.

Das Bildungszentrum bietet den Gruppen am letzten Abend ihres Seminars die Möglichkeit zu grillen. So endete das Seminar sehr gemütlich mit der untergehenden Sonne am großen Grill hinter dem Haus.

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Wir sind die Deutsche Stiftung Völkerverständigung. Die Stiftung ist gemeinnützig. Sitz der Stiftung ist Ahrensburg in der Nähe von Hamburg. Für die Aktivitäten arbeitet die Stiftung mit Partnern und Förderern in ganz Deutschland zusammen. Mit diesem Blog wollen wir dir Erfahrungsberichte, Tipps & Tricks zum Thema Schüleraustausch vermitteln.

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