Erfahrung Schüleraustausch USA – Weihnachten, Klassenfahrt, Schneesturm

Dennis auf Klassenfahrt in den USA

Erfahrungsbericht von Dennis aus Niedersachsen, der mit unserem Stipendium im Westen der USA lebt (Teil 2)

Im Ausland Leben ist ganz anders als Urlaub machen

Nach mehr als 5 Monaten ist der Alltag auch hier in Amerika in einer "neuen" Familie angekommen. Man geht zur Schule, man macht Hausaufgaben, man geht Lebensmittel einkaufen und manchmal kommt Besuch. Trotz diesem normalen, nicht aufregend klingenden Leben ist in den letzten Wochen viel passiert und außerdem macht gerade dieses normale Leben ein Auslandsjahr so spannend, man ist ja schließlich kein Tourist.

Mein Weihnachten in den USA

Weihnachten war etwas enttäuschend, nach all dem großen Wirbel in der Vorweihnachtszeit und nach 24 Stunden Weihnachtssongs jeden Tag erwartete ich auch irgendwie etwas Besonderes. Mein Weihnachtsfest bestand nur aus kurz gemeinsam essen, Geschenke geben (eigentlich hat nur die Tochter [10] meines Gastbruders richtig Geschenke bekommen) und dann Fernsehen gucken. Kein langes Beisammensitzen oder andere besinnliche/familiäre Dinge. Auch Silvester war anders als erwartet und komplett anders als das deutsche Silvester. In Amerika (bzw. In Washington) sind keine Privatfeuerwerke erlaubt, deshalb haben wir, wie die meisten anderen Familien auch, die Fernseh-Übertragung der Silvesterparty aus New York geguckt. Unser Abend bestand auch aus nichts weiterem als Fernsehen zu gucken: kein extra Essen oder Süßigkeiten, keine Silvesterparty, keinen (alkoholfreien) Sekt.

Klassenausflug gibt es auch in den USA

Nachdem die Weihnachtsferien vorbei waren hatte ich einen kleinen Klassenausflug. Meine Politikklasse hat an einem Reden-Wettbewerb über die Konstitution teilgenommen und wir hatten uns für die nächste Ebene qualifiziert. Wir hatten sogar das Glück eine Wildcard zu bekommen und uns ein 2. Platz gereicht hätte um zu den Landesfinale nach Washington D.C. zu kommen. Wir sind aber nicht Zweiter geworden, was aber nicht an uns lag sondern an unserem school district und dem Wetter. Der Wetterbericht sagte einen Schneesturm voraus (das entspricht hier in Washington ungefähr 0,5 cm Schnee) und der school district hat sich dazu entschieden uns am nächsten Morgen aus Olympia (das ist die Landeshauptstadt von Washington und dort fand der Wettbewerb statt) zurück zu holen, weshalb wir nur unsere erste Rede halten konnten und nicht platziert wurden. Der Ausflug war trotzdem eine sehr cooles Erlebnis da wir zwei Tage unterwegs waren und ich dadurch ganz viele neue Freunde bekommen habe.

Geburtstagsparty bei einem Freund

Nach dem Klassenausflug hatte ich auch einen neuen guten Freund gefunden welcher mich zu seinem Geburtstag einlud. Und das spannende an den USA ist, dass man hier zwangsläufig auch noch eine andere Kultur kennenlernt. Dieser Freund der mich zum Geburtstag einlud war nämlich Mexikaner. Die Party fand in einer Kirche statt und es ist in meiner Region ziemlich normal private Events in der jeweiligen Kirche auszurichten. Auf der Geburtstagsparty gab es dann mexikanisches und amerikanisches Essen, Karaoke singen auf Spanisch und Englisch, normalen "Partytanz" und mexikanische Volkstänze und natürlich kein Alkohol, nicht mal die Erwachsenen tranken etwas und die Party war mehr eine Familienfeier als eine Geburtstagsparty wie man sie aus Deutschland kennt, es kam nämlich die komplette Familie meines Freundes (ca. 40 Leute) und nur 8 Freunde aus der Schule.

Was hier als Schneesturm angesehen wird...

Um nochmal genauer auf die Schneesituation zurück zukommen: Der Nordwesten der USA ist komplett für Schnee gerüstet... nicht!! Schon vor den Winterferien hatte ich 3 verlängerte Wochenenden (manchmal 5 Tage lang keine Schule) wegen des Schnees, aber wer jetzt an cm oder gar Meter denkt: es waren mm oder manchmal auch nur der Wetterbericht der Schnee vorhergesagt hat. Wenn aber doch mal 5mm liegen geblieben sind war total Chaos: unzählige Unfälle auf allen Straßen, man brauchte 4 Stunden um zum 20 Minuten entfernten Supermarkt zu kommen (ist meiner Gastmutter tatsächlich passiert) und alle öffentliche Einrichtungen hatten geschlossen. Nachdem wir nach den Weihnachtsferien dann mal 4 Tage am Stück Schule hatten ist tatsächlich ein "großer" (in Norddeutsch: kleiner) Schneesturm gekommen mit 20-25 cm Schnee und das in einer Region wo normalerweise gar kein Schnee fällt. Das hat dann das komplette öffentliche Leben lahm gelegt und ich hatte 7 Tage keine Schule.

Heimweh?

Ich hatte bisher das Glück nicht wirklich in eine Heimwehphase gekommen zu sein. Ich habe mich dazu entschieden 10 Monate in einem anderen Land mit fremden Leuten zu leben und ich werde nach diesen 10 Monaten für die meiste Zeit meines Lebens die Möglichkeit haben meine Familie zu sehen. Und es ist ganz normal seine Freunde und Familie zu vermissen aber dies sollte ein nicht runterziehen.

Schule ist in den USA deutlich anders als in Deutschland

Anders als in Deutschland hat man hier keine Klassenarbeiten sondern am Ende jedes Semesters die sogenannten Finals. Das heißt man schreibt in den letzten 2 Tagen im Schulhalbjahr alle Arbeiten (so sollte es zu mindestens sein). Ich hätte am Donnerstag eine Arbeit in Mathe, Marketing und Politik schreiben sollen und am Freitag Leadership, Architektur und Englisch. Jedoch sehen viele Lehrer diese Arbeiten als zu überbewertet an und das war der Grund warum ich lediglich in Mathe und Marketing eine Arbeit schrieb.

Mein erstes Halbjahr war ziemlich einfach (das zweite wird nicht viel schwerer werden) und ist selbst für Leute die wenig Englisch Kenntnisse haben Problemlos machbar. Das Schulsystem ist in den USA allgemein komplett unterschiedlich zum deutschen System. Wie auch schon in meinem ersten  Bericht erwähnt habe ich 6 unterschiedliche Klassen. Diese 6 Klassen hat man jeden Tag. Einige Schulen haben mehr Klassen und die Schüler haben A und B Tage, was heißt, dass sie am A Tag 4 unterschiedliche Klassen haben und am B Tag 4 neue Klassen. Man hat auch nur eine richtige Pause und zwar die "Lunch" Pause.

In meiner Schule haben wir ein 1. und 2. Lunch, das heißt dass, zuerst die eine Hälfte der Schüler Pause hat und dann die andere, der Grund dafür ist dass sonst zu viele Schüler auf einmal Pause hätten. Anders als in Deutschland bleiben die Schüler nicht die meiste Zeit im selben Klassenraum, sondern wechseln für jede Klasse den Raum. Die Lehrer haben ihre festen Räume und richten diese komplett nach ihren Wünschen ein.

Eine Sache ist aber in jedem Raum gleich: die USA Flagge. Diese wird jeden Morgen geehrt mit der "Plegde of allegiance". Da man keinen Klassenlehrer hat der einem die neusten Mitteilungen verkündet gibt es auch jeden Morgen, nach der Plegde of allegiance die announcements ("Mitteilungen"), in denen wird alles wichtige für den Tag verkündet und wie die letzten Sportereignisse ausgegangen sind.

Die unteren Klassenstufen kommen meistens mit dem Bus zur Schule oder werden gebracht. Juniors und Seniors (11 & 12) dürfen mit dem Auto kommen (Man kann den Führerschein hier mit 16 machen). Die meisten Schüler kommen auch auf diesem Weg. Was jedoch so gut wie gar nicht benutzt wird ist das Fahrrad. Ich lebe in einer recht "hippen" Region um und in Portland, wo es für amerikanische Verhältnisse recht viele Fahrradwege gibt und auch der ein oder andere das Fahrrad benutzt. Das sind aber nicht die Schüler von meiner Schule. Meine Schule hat 2.200 Schüler und im "Fahrradständer" (eher ein paar Zäune die umfunktioniert wurden) sind an einem schönen Sommertag gerade mal 25 und im Winter 5 Fahrräder.

Meine Erwartungen an die nächsten Monate

Ich habe mich dazu entschlossen an einer Jugendreise nach Hawaii teilzunehmen und freue mich natürlich sehr auf diesen Urlaub. Aber auch in meinem normalen Leben hier erhoffe ich mir noch mehr mit Freunden zu machen und allgemein mehr zu unternehmen. Mittlerweile mache ich schon deutlich mehr als am Anfang meines Austauschjahres aber dennoch gibt es viel zu viele Tage wo ich nur Fernsehen gucke.

Was mir in mein Auslandsjahr bisher mit am meisten klar geworden ist, ist wie gut das Leben zuvor doch war und auch wie einfach: man hat seine festen Freunde die man immer fragen kann ob man was machen möchte wenn einem langweilig ist, man weiß wo coole Plätze sind wo man hinfahren kann oder man weiß was man machen kann mit Freunden. Damit will ich nicht sagen, dass mein Auslandsjahr schlecht ist und kein Spaß macht, man ist ja schließlich hier um was Neues zu erleben und eine andere Kultur besser kennenzulernen aber man muss sich klar sein, dass es anders ist und um es in den schönen Worten meiner Austauschorganisation zu sagen: Nichts ist besser oder schlechter, es ist einfach nur anders. Hierzu muss man jedoch sagen man kommt nicht drum herum darüber nachzudenken was besser oder schlechter ist da man zwangsläufig irgendwann gefragt wird was besser und was schlechter in Amerika ist. Für die nächsten Monate möchte ich aber natürlich mehr von den "besseren" Seiten Amerikas kennenlernen.

In der Schule freue ich mich auf meine neuen Klassen bzw. auf das nächste Semester. Ich habe zwar nur 2 neue Klassen aber ich hab in den meisten Klassen neue Mitschüler bekommen. In all meinen Klassen sind jetzt überwiegend Seniors und ich hab in jeder Klasse ein paar gute Freunde. Außerdem kennt man mittlerweile viele Leute und weiß wie das Schulleben hier so funktioniert, was ein viel selbstbewusster (und oft auch fröhlicher, da man Leute grüßen kann die man kennt, man wird gegrüßt oder man geht mit ein paar Leuten zum nächsten Raum) durch die Schule laufen lässt.

Der perfekte Abschluss des Auslandsjahres

Und für den perfekten Abschluss meines Auslandsjahres hat sich meine Freundin (aus Deutschland) dazu entschieden für 2 Wochen hierher zu kommen und mich sozusagen abzuholen. Dies ist natürlich auch etwas worauf ich mich freue aber auch meine Gastfamilie freut sich sehr darauf etwas aus meinem deutschen Leben kennenzulernen.

Bis demnächst

Euer Dennis

 

Den ersten Teil des Erfahrungsberichtes von Dennis lesen

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